Film-Review: Udo Proksch – Out of control
Udo Proksch – Frauenheld, Waffennarr, Künstler und Mörder. Seit letztem Freitag ist die Dokumentation „Udo Proksch – out of control“ in den heimischen Kinos zu sehen und erzählt die Geschichte von Udo Prokschs Leben zwischen Genialität und Wahnsinn.
In seinem neuen Film erzählt Robert Dornhelm die Geschichte von Udo Proksch, einer der wohl bekanntesten und umstrittensten Figuren der österreichischen Geschichte. Keine leichte Aufgabe. War noch anfangs Jack Nicholson im Gespräch für die Hauptrolle, hat sich der Regisseur dazu entschlossen, eine Dokumentation mit Filmausschnitten aus Udo Prokschs Leben und vielen, teils sehr witzigen Kommentaren seiner Freunde und auch Kritiker zu drehen.
„Die Tragödie des Udo Proksch war, dass er Rollen gespielt hat und am Ende nicht wusste, wer er war.“
Er war ein Mann mit vielen Gesichtern. In der Society gerne gesehen. Mit den Politikern auf du und du. Die Frauen lagen ihm zu Füßen. Und immer hatte er Ideen für neue Projekte. Er entwarf ein futuristisches Brillenmodell, erfand eine neue Bestattungsmethode, bei der man im Stehen begraben wird, und wollte am liebsten die gesamte Verteidigungsmaschinerie revolutionieren. Nicht zuletzt übernahm er das weltberühmte Café Demel, in dem er den „Club 45“ gründete.
„Ich bekenne mich zur freien Marktwirtschaft, das heißt, wenn ich einen bescheißen kann, werd ich ihn bescheißen.“
Im berüchtigten „Club 45“ gaben sich Spitzenpolitiker, Künstler und Sportler die Türklinke in die Hand und genossen ihr Luxusleben. Es wurden Freund-, Feind- und Liebschaften gepflegt und ausufernd gefeiert. Doch es wäre nicht Udo Proksch gewesen, wenn er nicht einen Hintergedanken gehabt hätte. Heimlich machte er sehr intime Fotos von der Prominenz, um einmal in Krisenzeiten Erpressungsmaterial gegen sie zu haben. Unumstritten ist jedoch, dass sowohl Männer als auch Frauen seinem Charme nicht widerstehen konnten und er, wo immer er erschien, für Begeisterung sorgte.
„Der Krieg ist kreativ, ist der Vater aller Dinge.“
Seine große Leidenschaft waren Waffen. Aufgewachsen im Nationalsozialismus übten Krieg, aber auch Frieden eine große Faszination auf Udo Proksch aus. Um seiner Leidenschaft nachzugehen, kam es ihm gelegen, mit dem damaligen Verteidigungsminister befreundet zu sein, der es ihm ermöglichte Helikopterflüge zu machen und Versuchsprengungen zu veranstalten.
„Lächelnd zu sterben, ist für mich das Höchste.“
Ein Wunsch, der ihm verwährt blieb. 1977 sinkt der Frachter Lucano, angeblich beladen mit einer Uranerzaufbereitungsanlage und sechs Menschen kommen ums Leben. Udo Proksch wird vorgeworfen, das Schiff durch eine Sprengung absichtlich untergehen zu lassen, da er es zuvor teuer versichert hatte. Die Anklage: Versicherungsbetrug und vorsätzlicher Mord an sechs Menschen. Dank seiner Kontakte kommt er frei, wird jedoch nach Jahren der Flucht wieder geschnappt und lebenslänglich hinter Gitter gebracht. Ausschlaggebend für seine Verurteilung war, dass er sich nicht verteidigte, was einem Schuldbekenntnis gleichkommt. Doch alle seine Freunde sind von seiner Unschuld überzeugt. Peter Lichtner-Hoyer meint dazu:„Der Udo war kein Killer, dazu war er zu feig!“ 2001 stirbt Udo Proksch im Gefängnis Graz Karlau.
Der Film zeigt sehr deutlich die verschiedenen Facetten eines Mannes, der für einen den größten Skandale der jüngeren österreichischen Geschichte sorgte, in den viele einflussreiche Menschen verwickelt waren. Der sich gekonnt, so scheint es, hinter einem Bild, das er von sich in der Öffentlichkeit geschaffen hatte, versteckte und im Grunde ein sehr verletzlicher Mensch war.
Die vielen Kommentare der teils berühmten Österreicher lockern die Dokumentation auf und geben ein sehr reales Bild von Udo Proksch. Jedoch ertappt man sich ab und zu dabei zu vergessen, dass es hier um einen verurteilten sechsfachen Mörder geht, ein Faktum, das im Film leider zeitweise zu wenig Gewicht erhält.
Bildrechte: Westlicht
- Hannah Poppenwimmer

