Ausstellungs-Review: Changing Channels
„Wir gehen mit Installationen in die Offensive“, betont Kurator Matthias Michalka im Rahmen einer Lehrveranstaltung des Institutes für Kunstgeschichte. Das Thema um das es sich hier handelt ist die Ausstellung Changing Channels im MUMOK. Sie beleuchtet das Massenmedium Fernsehen von Mitte der 1960er bis Mitte der 1980er. Dabei sticht ein Merkmal sofort ins Auge: Die Galerie umfasst hauptsächlich Projektionskunst. Für die Einen mag diese Besonderheit ein rares Spektakel sein. Andere werden von dem Rauschen der Monitore ganz benebelt.

Eine Ausstellung als offenes Archiv
Projektionskunst zieht sich wie ein roter Faden durch die auf 4 Stockwerken aufgeteilte Ausstellung und lässt wenig Raum für andere Gestaltungsmittel. Mit dem ersten Augenzwinkern stehen die Sinne unter Strom. Da sind kein Fixpunkt, kein Gemälde und keine Plastik auf die der Blick ruhen könnte. „Die Ausstellung ist als offenes Archiv strukturiert und ist nicht als ‚fast forward’ zum schnell durchlaufen gedacht, “ präzisiert Michalka. In der Tat wirkt sie wie ein Gesamtkunstwerk ohne narrative Struktur. Die Orientierung fällt schwer. Überall im Raum sind Fernseher platziert, die an gigantische Legosteine erinnern. In einer Schleife spielen die klobigen Monumente das Programm unzähliger Künstler und Ideologien. Der Versuch die Vielfalt an Zugängen zum Massenmedium aufzuzeigen gelingt.
Zwischen Kritik und Faszination
Das unterste Areal der MUMOK widmet sich Andy Warhol. Der Wahn um Prestige und das Spannungsfeld zwischen Privatem und Öffentlichem Leben inspirieren Warhol zu der Serie Andy Warhol TV. In der Serie interviewt der Künstler berühmte Persönlichkeiten. Wie bei Speed Dating wird man innerhalb kürzester Zeit mit Stars wie Sting, Donna Karan und Steven Spielberg konfrontiert. VanDerBeek hat einen Medienpädagogischen Zugang zur Television: Schauen allein reicht nicht; man muss auch sehen. Beim weiter-zappen tönt es aus einer Röhre „Hello I see you.“ Allan Karpov erschreckt den Zuseher und demonstriert einen Umkehreffekt. Der Fernseher symbolisiert auf einem weiterem Sender Teilpixel einer Überwachungsgesellschaft. Auf einem anderen Kanal verbleibt das Medium ein Versuch über die Realität zu reflektieren. Die Aktionsgruppe Ant Farm kritisiert die Gehirnwäsche der Television indem sie eine brennende Pyramide aus Fernsehkästen zerschmettern. Dan Graham’s Continous Pasts lockt in einen verspiegelten Raum in dem man gleichzeitig Beobachter und Hauptdarsteller in einem ist.
„Es summt und dröhnt und hört gar nicht mehr auf…“
In der Tat fesselt das MUMOK mit Changing Channels die Aufmerksamkeit der Menschen. An jeder Straßenecke lockt Andy Warhol mit einem Schaukasten unterm Arm. Das Interesse am Massenphänomen scheint groß. Trotzdem wirken die Besucher ratlos. Nun fragt sich so mancher nach dem Grund für die vermeintliche Verwirrung des Publikums. Changing Channels ist keine Ausstellung im herkömmlichen Sinne. Denn hier werden non Stopp Videos ausgestrahlt. So ist der Zuseher aufgefordert sich intensiv mit dem Werk auseinander zusetzen. „Es summt und dröhnt und hört gar nicht mehr auf“, tönt es aus Yoko Ono’s Film Rape in dem eine Frau- ähnlich wie der Besucher- 75 Minuten lang von einer Kamera verfolgt wird.
Change the channel
Die Ausstellung wirkt wie eine hiesige Fernsehlandschaft mit zigtausend Minuten Sendezeit. Aber wie sollen menschliche Kapazitäten eine solche Informationsflut aufnehmen? Eine Möglichkeit wäre die Sammlung auf mehreren Tagen aufzuteilen. Für Studenten ist der Eintritt im Jahr 2010 gratis. Außerdem gibt es mehrere Wegweiser wie zum Beispiel eine Informationsbroschüre. Michalka erklärt, dass auf dem Boden angebrachte Markierungen Orientierung bieten sollen. „Manchmal führen diese Wege aber auch zum Notausgang.“
Fotoquelle: MUMOK
-Kristina Kirova

