Konzert-Review: Jamaram
Man nehme: Ein bisschen Reggae. Ein wenig Latin. Eine Prise Ska und zum Abrunden ein würzige Portion Funk. Was da herauskommt? Jamaram, die sich durch ihre musikalische Vielfalt schwer einordnen lassen. Muss man auch nicht, denn durch ihren individuellen Stil kreieren sie eine ganze neue Art von Musik und beglücken so ihr Publikum. So auch in Wien bei den Afrika Tagen vergangenen Sonntag. Gesehen hat man da viel. Kletternde Trompeter und eine Publikumswaschmaschine zum Beispiel. Aber noch viel mehr.
I’ll beat your ass at pack man like Chewbacca
Die Sonne brennt auf das Festivalgelände und trocknet die Pfützen, die sich in den vergangenen Regentagen angesammelt haben. Zu verdanken hat dies das Wiener Publikum vor allem einer Band: Jamaram. Die bringen zu ihren Auftritten nämlich immer die Sonne mit. Behaupten sie zumindest. Ob es nun stimmt oder nicht. Man ist dankbar und gespannt. Die Erwartungen an den Auftritt sind groß. Bezeichnet sich die Band selbst ja als Macht, die besonders live Generationen vereint. Lässt man seinen Blick durch das Publikum, das sich vor der Bühne der Afrika Tage versammelt hat, schweifen, schenkt man der selbstbewussten Aussage Glauben. Tatsächlich haben es sich Alt und Jung bequem gemacht.
Explosion, explosion time to blow up this musical bomb
Als die Sonne gerade untergeht ist es soweit. Jamaram entern die Bühne. 1/8 von ihnen zumindest. Samuel Hopf, kurz „Sam I am“, auch bekannt als der Gitarrist der Band, bestreitet die ersten Lieder wie „Rainmaker“ alleine. Mit viel Charme und Witz lockt er die Leute vor die Bühne und so werden die restlichen 7/8 euphorisch vom Publikum begrüßt. Danach folgt ein bunter Strauß aus der langjährigen Jamaram-Geschichte. Von „Never too late“, „Ay que nombre“, “Explosion” bis hin zu „Shout it from the rooftops“ und einem Souvenir aus Afrika – „Rainbow” – sind die verschiedensten Songs dabei. Doch “einfach” nur ihre Lieder zu spielen ist nichts für die acht aufgedrehten Musiker. Nicht nur, dass sie selber über die Bühne wirbeln und ihre Musik abfeiern, nein auch Publikumsbetätigung ist angesagt. Bei „Green Leaf“ wird ein Tanz einstudiert. Bei den Zugaben Walzer getanzt und eine La Ola angezettelt. Dem Publikum gefällt’s und so wird brav in die Hände geklatscht, mitgesungen und abgetanzt. Man hat das Gefühl, die acht Musiker feiern eine wilde Party auf der Bühne und man selbst hat das Glück auf der Gästeliste zu stehen und Teil des Spektakels zu werden.
Lovin’ is all that we’ve got in the end
Doch neben guter Laune und Spaß vergisst die Band eines nicht. Soziales Engagement. So werden bei jedem Konzert die Besucher dazu aufgefordert für Hilfsprojekte in Afrika zu spenden. Dies können sie gleich auch noch während des Konzerts, denn ein Mitglied der Jamaram-Crew geht mit einer Spendenbox durch die tanzende Menge. Begleitet wird dies thematisch treffend von den Klängen von „Rich man“.
Obwohl sie schon zu acht auf der Bühne stehen, gieren Jamaram nach mehr und so werden Leute aus dem Publikum genau so auf die Bühne geholt wie andere Musiker.
Shout it from the roof top! Ey!
Doch jedes Konzert muss zu Ende gehen. Auch nach zwei Stunden Dauertanzen ist der Appetit des Wiener Publikums nicht gestillt und so wird Jamaram auf die Bühne zurückgejubelt. Dies wird mit einem „Leck mich am Arsch, Wien – nicht schlecht, der beste Wien-Auftritt bisher“ kommentiert und so haut man das eine oder andere Lied nach und beendet schließlich das Konzert im Publikum spielend. Die Fans sind dankbar und so verlässt die Band zu tosendem Applaus die Bühne und Wien. Hoffentlich lassen sie zumindest das gute Wetter hier.

Neugierig geworden? Gut so, denn VIENNARAMA hat Murxen Alberti, Drummer, und Lionel Wharton, Keyboarder, bei JAMARAM vor ihrem Auftritt getroffen und so einige interessante Dinge erfahren. Ihre schönsten und peinlichsten Live-Auftritte zum Beispiel und warum sie eher ein Movement sind als eine Band. Bald zu lesen hier bei VIENNARAMA.
Photocredits: Jamaram, Jan Röder, Kabopro, Karuna Fuchs

