Ausstellungs-Review: Maks Cieslak
Art is a Forbidden Fruit Marmalade. Schon der Titel der Ausstellung des Henkel Art.Award-Gewinners Maks Cieslak klingt eigenwillig. Und macht neugierig. Zurecht! Denn der junge Künstler lässt sich in keine Schublade und schon gar kein Marmeladenglas stecken. VIENNARAMA war im MUMOK vor Ort und ließ sich von einem erfrischend innovativen Video- und Konzeptkünstler überraschen.
Ein junger schüchterner Mann steht in der Ecke und versucht den Worten der KuratorInnen zu folgen: Maks Cieslak. Man mag es kaum glauben, dass das derselbe Mensch ist, der auch die vier humoristisch kritischen Videoarbeiten geschaffen hat, die den Besucher in den unterirdischen Räumen des MUMOKs erwarten. Auf fast polemische Art und Weise spricht der gebürtige Pole die reißerischen Mittel der zeitgenössischen Kunst an, spielt diese hoch, um sie
anschließend wieder in der Luft zu zerreißen. Die Frage “Was ist heutzutage noch Kunst?” zieht sich wie ein roter Faden durch die sehr unterschiedlichen Arbeiten des Künstlers und macht sich selbst zum Thema.
In “Cloud Nine” (2007) schlüpft der Künstler selbst in die Schauspielhauptrolle und ergießt sich in einem Monolog, den er in manisch-aggressiven Hasstiraden zum Leben erweckt, gegen den Kunstbetrieb, seine Mechanismen und den zunehmenden und um sich greifenden Bedeutungsverlust, der daraus erwächst. Der Auslöser? Auf die tiefgründige Frage “Und, wohin gehen wir, zu dir oder zu mir?” antwortet seine Freundin, indem sie ihm einen Flyer der Kunstbiennale entgegenstreckt. So schlingert der Kurzfilm zwischen romantischem Stummfilmflair und Klaus Kinski at his best. Die Mischung macht’s.
Ganz anders “The Vision of Father Joseph” (2008), ein Found Footage Film, also ein Film, der aus gefundenem Material zusammengesetzt, montiert und manipuliert wird. Er erzählt die wahnwitzig fiktive Geschichte eines katholischen Geistlichen, der als Undercover Agent des Vatikan anstelle von Juri Gagarin ins All fliegt. Als seine Deckung auffliegt, kappen die Sowjets die Sauerstoffzufuhr. Die Sterbevision des Agenten: Eine Abfolge von lautlosen “Hoppala” – Videos aus dem Internet, die, durchwachsen mit Sequenzen aus dem Musikvideo von The Doors und unterlegt mit deren Song “The End”, eine groteske Komik schaffen. Lachen, Unwohlsein, Mitleid? Man weiß nicht genau, was man fühlen soll. Auf jeden Fall kann sich der Zuseher einer Verwirrtheit nicht entziehen.
Auch “The Story of Doctor Faustus the Tiny” (2009) ward so vorher noch nie gesehen. Im Stil des Stummfilms der 20er gefasst, aktualisiert Cieslak die Thematik rein inhaltlich. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass Mephistopheles ein leicht bekleidetes Mädchen mit Plastik-Teufelsdreizack, Corsage und – auf Inlineskates unterwegs ist. Protagonist ist wiederum der Künstler selbst, aus praktischen Gründen wie er sagt. Von seiner großen Liebe, einer Kunststudentin abgewiesen, wünscht Faustus sich, intellektueller und künstlerischer zu werden und schließt einen verhängnisvollen Pakt mit dem Teufel. Einsatz: Wie eh und je – seine Seele. Als Faustus 2.0 jedoch am nächsten Tag die Früchte ernten möchte, fühlt sich seine Angebetete durch ihr
individuelles Kunstverständnis plötzlich viel mehr zu einem vulgären Motorbiker hingezogen. Der ausstellungstragende Satz “Kunst ist eine Marmelade aus der verbotenen Frucht” stammt aus dieser Arbeit und spielt auf unnötige und unbegründete Tabubrüche an. Witzig, komplex, kritisch und intelligent.
Geboren in einem kleinen Ort am äußersten Rand von Südostpolen, einem Ort, an dem das Internet Informationsquelle Nummer 1 ist, einem Ort, an dem sich, wie man es ihm gerne unterstellen möchte, “Katz und Hund Gute Nacht sagen”, kommt Maks Cieslak 1983 zur Welt. Gut so! Wir haben sonst wirklich schon alles gesehen! VIENNARAMA meint: Dieser Mann ist Genie UND Wahnsinn! Anschauen, anschauen!
Bis 29.05. in der MUMOK Factory

