Theater-Review: Der zerbrochene Krug
Im Kleist-Jahr 2011 darf Heinrich Kleist natürlich nicht im Repertoire des Burgtheaters fehlen. Und so inszeniert Matthias Hartmann das Kleist-Werk „Der zerbrochenen Krug“ im Akademietheater. VIENNARAMA hat sich das Stück für euch angesehen.
Eine Bühne voll mit Schlamm und mittendrin eine weiße Plattform. Sie stellt den Gerichtsaal eines Dorfes in der Nähe von Utrecht dar. Steril und Sauber. Kein Schmutz ist zu sehen. Jeder, der die Plattform betritt, muss sich die Schuhe säubern. Der Gerichtssaal: ein Ort an dem nach der Wahrheit gesucht wird. Doch was ist, wenn der Richter selbst der Täter ist?
Nach und nach beginnt die saubere Fassade des Gerichtsaals zu bröckeln und wird im Schlamm bedeckt. Heinrich Kleists Stück Der zerbrochene Krug handelt von Macht, Korruption und der Frage, wer den Krug zerbrochen hat.
Wer zerbrach den Krug?
Frau Marthe Rull macht Ruprecht, den Verlobten ihrer Tochter Eve, für die Tat verantwortlich. Er hat ihren kostbaren
Krug vom Fenstersims gestoßen, als er Eve nachts besucht hat. Ruprecht hingegen streitet die Tat ab und bezeichnet Eve als Dirne. Er habe einen anderen in ihrem Zimmer gesehen. Das kann Frau Marthe nicht auf sich sitzen lassen. Schließlich steht die Ehre ihrer Tochter auf dem Spiel. Doch Eve schweigt und will den wahren Täter nicht nennen.
Und mittendrin der Dorfrichter, der den Schuldigen genau kennt und nun versucht die Wahrheit zu verschleiern. Doch so einfach ist dies auch nicht. Denn genau an diesem Tag ist der Gerichtsrat Walther zum Besuch im Dorf, um nach dem Rechten zu schauen.
Der Zuschauer, der von Anfang an weiß, dass der Dorfrichter Adam der Täter ist, wird Zeuge, wie dieser sich in Ausflüchte rettet, Zeugen anschreit und als Richter eine lächerliche Figur abgibt. Doch trotz seiner Mühen häufen sich die Hinweise auf seine Täterschaft.
Humorvolle Inszenierung
Das Stück weiß es schon allein durch seine Sprache zu überzeugen. Kleists Sprachspiele und seine Ästhetik verleihen dem Stück Lebendigkeit und erheitern das Publikum. Auch Matthias Hartmann setzt auf Humor und inszeniert Kleists Lustspiel mit viel Komik und Humor ohne die Ernsthaftigkeit des Stückes zu verlieren und ins Lächerliche abzudriften. Vollendet wird das Stück durch die großartigen schauspielerischen Leistungen.
Großartiges Schauspiel
Maria Happel als Marthe ist wohl ein Highlight der Inszenierung und der Publikumsliebling. Mit Minirock, die Brüste nach vorne gestreckt stöckelt sie ohne Schuhe durch den Schlamm auf den Gerichtssaal zu und trägt ihre Anklage vor. Verbissen darauf die Ehre ihrer Tochter zu retten und Ruprecht als Täter festzumachen, legt sie ausführlich dar, welche Bedeutung der Krug für sie hat, dem nicht einmal ein großer Brand etwas anrichten konnte.
Auch Michael Maertens weiß es, seine Figur den Dorfrichter Adam bravourös umzusetzen. Er präsentiert ihn als eine eher lächerliche Figur, die sich in den eigenen Lügen verstrickt und eher wie ein hilfloses Kind wirkt. So verlangt er, um die Verhandlung zu unterbrechen, ein Glas Wasser und läuft dann seiner Dienerin, die ihm das Glas überreichen will, immer wieder aus dem Weg, um so Zeit zu schinden.
Auch die anderen Schauspieler überzeugen rundum in ihren Darstellungen. Allein Yohanna Schwertfeger wirkt neben den anderen großartigen Leistungen ein wenig blass und verteilt der Figur der Eve nicht die Tiefe, die sie brauchen würde.
VIENNARAMA-FAZIT: Tolles Stück, tolle Inszenierung, tolle Schauspieler. Ansehen lohnt sich!
Photocredits: Reinhard Werner Burgtheater
Die nächsten Termine im Akademietheater: 11.10., 16.10., 21.10., 25.10., 2.11., 4.11. und 21.11.

