Theater-Review: Perikles
Irrwege, Irrtürmer und Inzest: Shakespeares Perikles hat einiges zu bieten. VIENNARAMA wollte genaueres wissen und hat das Werk im Burgtheater Kasino betrachtet und wurde hier Teil einer spektakulären Theater-Show, die aus dem vollen Theater-Repertoire schöpft.
Die Zuschauer sitzen auf Tribünen. Zwischen ihnen, wie in einer Arena, die Bühne. Auf den Zuschauer-Plätzen liegen Taschenlampen. Der Saal wird dunkel. Ein erstes Taschenlampenlicht erleuchtet, weitere folgen und zeigen das Geschehen auf der Bühne. Hier versucht auch Perikles Licht ins Dunkle zu bringen und das Rätsel zu lösen, das ihm der König Antiochia aufgetragen hat, um so dessen Tochter für sich zu gewinnen. Versagt er, droht ihm der Tod.
Perikles, dargestellt als dicklicher Mann – ganz im Gegensatz zu den gängigen Vorstellungen eines griechischen Prinzen – mit schwarzem Kapuzenpulli und einem weißen Stoffhäschen in der Hand, erkennt die Lösung: Vater und Tochter haben eine Beziehung mit einander.
Die Antwort ist zu schrecklich um ausgesprochen zu werden. So flieht Perikles, jetzt dargestellt vom Simon Kirsch, vom Hof des Königs und landet als Schiffsbrüchiger auf der Insel Pentapolis. Hier gewinnt er die Gunst einer jungen Prinzessin. Nach dem Tod des Verfolgers
Perikles‘ wollen sie gemeinsam nach Tyrus zurückkehren, doch auf stürmischer See stirbt die Prinzessin bei der Geburt ihres Kindes. Perikles ist gezwungen seine Frau ins Meer zu werfen und seine Tochter Marina bei Freunden auf der Insel Tharsus zu lassen, da sie die lange Reise sonst nicht überleben würde. Nach Jahren erfährt er von dem Tod seiner Tochter und verfällt in tiefe Trauer. Doch Marina ist nicht tot. Einem Mordversuch entkommen, wird sie entführt und zur Prostitution gezwungen. Doch dem kann sie sich verwehren und triff schlussendlich auf ihren verwirrten alten Vater, der dem Tode nahe ist.
Wechselspiel
In Stefan Bachmanns Perikles-Inszenierung im Kasino spielt die Musik eine zentrale Rolle. Wie eine spanischer Matador gekleidet gibt Kaveh Parnas mit seinen Gesangseinlagen die Geschehnisse wieder, die der Zuschauer nicht sieht, erklärt Zusammenhänge und leitet so durch den Abend und ist auch zugleich ein Teil des Schauspielensembles. Schade ist hier nur, dass man den Text nicht immer ganz versteht.
Feste Rollen gibt es keine. Die neun Schauspieler wechseln ständig zwischen verschiedenen Figuren und auch die Souffleuse wird ins Spiel einbezogen. Mit Leichtigkeit verkörpern sie die große Anzahl an Figuren aus dem Shakespeare-Stück und überzeugen allesamt. Perikles selbst wird nacheinander von vier Darstellern verkörpert.
Ganz große Show
Die Inszenierung von Bachmann zeichnet sich neben den Rollenwechseln und der Musik auch durch sein Spiel mit den Mitteln des Theaters und unterschiedlichen Darstellungsformen aus: Filmische Sequenzen werden auf der Bühne gefilmt und an die Wand projiziert, Bühnennebel verblendet die Sicht und immer wieder wird das alte Griechenland mit der Neuzeit vermischt. So buhlt der in Pentapolis gestrandete Perikles in Rüstung neben vier Anzug-Trägern um die Gunst der Prinzessin. Die Angler am Strand unterhalten sich über Filme von David Lynch und die Piraten tragen St. Pauli-Pullis. Die Ideen scheinen ihm nicht auszugehen.
Bachmann zeigt deutlich, dass es sich bei Perikles um eine Komödie handelt, bringt das Publikum zum Lachen und Staunen, so dass die drei Stunden schnell vergehen.
Doch gerade in der zweiten Hälfte des Stückes wäre weniger doch manchmal mehr gewesen. Hier übertreibt Bachmann ein wenig und setzt zu viel auf große Show-Effekte und driftet das eine oder andere Mal ins Lächerliche ab.
VIENNARAMA-Fazit: Gelungener Theaterabend, der alles bietet, was ein Theaterherz begehrt. Man darf es nur nicht alles zu ernst nehmen.
Die nächsten Termine im Kasino: 23.11. und 24.11.
Copyright:
Reinhard Werner
Burgtheater

