Kino-Preview: Die Höhle der vergessenen Träume

310267_10150895679510371_758055370_21009853_137101482_n

Über 20.000 Jahre unentdeckt, über 30.000 Jahre alt. Die Chauvet-Höhle im Süden Frankreichs ist mit den ältesten uns bekannten Höhlenmalereien Zeugnis einer Zeit, in der die Neandertaler den Erdball bewohnten. Die bildlichen Darstellungen erzählen von einem Leben Seite an Seite mit Mammuts, Höhlenbären und Eiszeitlöwen. VIENNARAMA war hautnah dabei und sah sich das Wunder der Zeit in 3D an.

 

Eintritt in eine andere Welt
Wir schreiben das Jahr 2010. Zum ersten Mal seit der Entdeckung der Chauvet-Höhle im Jahre 1994 erhält ein Forscherteam die Erlaubnis, die „heiligen“ Räumlichkeiten zu betreten. Die Stimmung ist zum Bersten angespannt: Was wird das Team um Regisseur Werner Herzog erwarten? Auf alle Fälle ein Anblick, in dessen Genuss zuvor nur eine handvoll ausgewählter Wissenschafter kommen durften. Und eine Atmosphäre, die noch immer von der Präsenz unserer menschlichen Vorfahren, und noch greifbarer: einer ganz bestimmten Gruppe von Individuen, erfüllt ist, deren Spuren an jeder Ecke zu finden sind. Umso privilegierter fühlt sich der Zuseher im Kinosaal, der den Experten wortwörtlich auf den Fersen ist und mit 3D-Technologie und Handkamera Teil des Teams und Geschehens wird.

Sixtinische Kapelle der Steinzeit
Die Eindrücke, wie auch die Maßstäbe des frühzeitlichen Kunstraums, in dem auch Rituale durchgeführt wurden, sind gewaltig. Auf rund 8.000 Quadratmetern, also in etwa der Fläche eines Fußballfelds, finden sich zahlreiche Knochenreste und Schädel, konservierte Fußabdrücke und Fackelspuren sowie über 400 Wandmalereien. Alles scheint so, als ob die Höhle gerade erst verlassen worden wäre und dies auch nur, um auf die Jagd zu gehen und bald wieder zurückzukehren. Die Bilder wirken lebendig und aktuell, erzählen von den Eindrücken der Menschen, deren Alltag und Träumen. Beeindruckend ist auch, dass die Kunst der Steinzeitmenschen, die oft in Verbindung mit Traumwelt, Jenseits und ritueller Symbolik stand, technisch erstaunlich weit entwickelt war. Unter Einbeziehung des Untergrunds entstanden so Darstellungen, die auch ohne 3D-Technologie realistische Effekte erzielten. Auch der Versuch, Bewegung ins Bild zu bringen, zeugt von einem fortschrittlichen Denken der Künstler.

Ritual und Vermächtnis
Eines ist klar. Die Chauvet-Höhle war kein gewöhnlicher Aufenthaltsraum. In der weitläufigen Grotte weisen Symbolik, altarähnliche Felsenanordnungen und Feuerstellen, die nachweislich nur ein einziges Mal benutzt worden sind, auf eine rituelle Sonderstellung der Räume hin. Man vermutet, dass die Höhle als sakraler Ort genutzt wurde, in dem Priester und Schamanen den Kontakt mit dem Jenseits suchten. Bei den malerisch dargestellten Tieren handelte es sich zudem nicht um Jagdtiere, sondern vielmehr um Arten, die für den Menschen bedrohlich waren und auf diese Weise eventuell gebannt oder friedlich gestimmt werden sollten. Die mit Holzkohle und Ocker porträtierten Geschöpfe wurden zu diesem Zwecke auf bis zu 12 Meter breiten Bildkompositionen anschaulich gemacht. Doch auch Sexualsymbolik und Mischwesen aus Mensch und Tier geben den Forschern Rätsel auf und bieten eine Menge Stoff zur Diskussion. Wann die Höhle das nächste Mal geöffnet werden wird ist fraglich. Umso besser, dass der exklusive Rundgang auch vom Kinosessel aus bestritten werden kann – und zwar dreidimensional und immer mit dem richtigen Experten bei der Hand.

VIENNARAMA-Fazit: Ein Film für eingefleischte Historiker, Archäologen und Fans der prähistorischen Kunst. Uns konnte leider auch der 3D-Effekt nicht den Atem rauben, im Gegenteil: Oft irritiert die Überlagerung und lenkt vom Wesentlichen ab. Eine Dokumentation, die es leider entgegen aller Erwartung und trotz Auslotung der technischen Möglichkeiten nicht schafft, die erlebte Spannung zu vermitteln.

Ab 4.November in allen Kinos!

Photocredits: Luna Filmverleih

Spread the love:
    Posted in Kunst & Kultur, Reviews |

    Leave a comment

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

    *


    *