Bücher-Review: Sarah Kuttner – Wachstumsschmerzen

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Wachstumsschmerzen. Quarterlife Crisis. Beziehungsleben. Was soll man mit seinem Leben anfangen? Hat man den richtigen Job? Soll man den nächsten Schritt in der Beziehung wagen? Und wann ist der Zeitpunkt da, „ein eigenes, richtiges, erwachsenes Leben zu führen“? Sarah Kuttner gibt in ihrem neuen Buch Antworten. Oder versucht es zumindest. Doch oft kommt es anders als man denkt.

 

Wann ist denn nur alles so kompliziert geworden?

Denn am Anfang scheint es doch so einfach. Luise und Flo sind ein glückliches Paar. Der logische nächste Schritt in ihrer Beziehung: Zusammenziehen. Lange haben sie das Thema vermieden und dann haben sie beschlossen den großen Schritt zu wagen. Doch richtig wohl fühlen sich beide nicht bei diesem Gedanken. An jeder Wohnung wird ein Fehler entdeckt und die Entscheidung wird aufgeschoben. Doch irgendwann wird die perfekte Wohnung gefunden und so „müssen“ sie beide ihre Ängste überwinden.

„Es gibt mehr Gründe dafür als dagegen und wir sagen sie uns wie ein kleines Gebet immer wieder gegenseitig auf. Die Gründe dagegen allerding benennen wir nur, um sie strategisch zu benutzen. Denn sie geben den Pro-Gründen den Rückwind.“

Zwischen den einzelnen Kapiteln schreibt Kuttner so genannte „Memos“. Luise, die Protagonistin, richtet Gedanken an Flo. Man merkt, er ist nicht mehr da. Und man weiß ab der ersten Zeile: Ihre Beziehung wird nicht halten. Und so erlebt man mit einem gewissen Bangen mit, wie die beiden die Wohnung finden. Zusammenziehen. Möbel aussuchen. Sich von alten Nachbarn trennen. Neue Nachbarn begrüßen und sich langsam in ihrer neuen gemeinsamen Wohnung einleben. Durch Räume tanzen. Lieben. Leben. Streiten.

„Ein uns aus und ein und aus und ein ….

Technisch gesehen ist es nicht möglich das Atmen zu vergessen. (…) Dennoch kann ich gerade nicht. Jeder Atemenzug ist ein unüberwindbares Hindernis, ein Kraftakt, für den ich zu erschöpft bin. Und obwohl mein Körper im Grunde Gehormsam leistet und „ein uns aus“ spielt, habe ich das Gefühl ihm dabei mehr als nötig unter die Arme zu greifen zu müssen, während in deine Tasche packe.“

 

Langsam schleichen sich Krisen ein. Luise ist mit dem Zusammenleben nicht zufrieden. Sie sind zu sehr ein „Wir“ geworden. Sie fühlt sich als Individuum eingeschränkt und will Abstand. Und als sie für sich weiß, was sie will, ist es zu spät. Denn sie weiß: Sie will Flo. Doch der will sie nicht mehr.

 

Wie schon in ihrem ersten Roman schafft es Kuttner mit viel Charme einen Einblick in ein Leben zu erlauben. Man fühlt sich sofort mit Luise und Flo verbunden. Freut sich auf die neue Wohnung. Fragt sich, ob Luise einen neuen Job annehmen wird, und gerade die realitätsnahe Schreibweise Kuttners lässt den Leser sich wie ein guter Freund der beiden fühlen. Umso schlimmer die „Memos“, in denen Kuttner die Gefühle und Gedanken während und nach einer Trennung so „echt“ beschreibt, dass es einem teilweise den Atem abschnürt.

 

„Ich hatte mit jemandem anderen Sex in unserem Bett.(…) Wir haben deine Seite des Bettes nicht berührt. Darauf habe ich geachtet. Versprochen.“

 

VIENNARAMA-Fazit: Ein gelungener Roman über das Erwachsenwerden und die Probleme, die dieses mit sich bringt. Leser, die sich gerade in einer Trennung befinden, sollten den Roman vielleicht etwas später lesen.

 
 
 
Fotocredits: Fischer Verlag &  Marcus Höhn

 

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