Reportage: Grelle Forelle
Wenn sich ein Club “Grelle Forelle” nennt, erst Anfang Dezember eröffnet wurde und mit der Presse nichts am Hut hat, dann hat man gar keine andere Wahl als hinzugehen. VIENNARAMA war “undercover” unterwegs und hat den neuen Laden am Donaukanal unter die Lupe genommen.
Zwischen Ignoranz und Pressetext
Da stehen wir also nun buchstäblich vor dem Fisch in der Dose und freuen uns, dass es so gar keine Schlange gibt. Die mittlerweile schon berühmten Hausregeln: Keine Gästeliste, keine Fotos, kein Eintritt unter 21 haben wir brav verinnerlicht, merken aber schnell, dass sie theoretisch gelten.
Gleichzeitig fragen wir uns, woher kommt die “Grelle Forelle” und wohin will sie? Von Seiten der Clubbetreiber sickern nur ganz wenige Infos durch, die sich wiederholt im Netz finden. Die Presse wurde mit Ausnahme des Vice-Magazines zum gemeinen Fußvolk degradiert und fristet nun ein Dasein zwischen Pressetext und Ignoranz.
Hightech Herz
13 Euro später dann der erste Eindruck: ziemlich cool. Das eigens für den Club entworfene und vielgelobte Design-Konzept des Wiener Visualisten-Kollektivs Neon Golden geht auf. Es setzt mit architektonischer Zurückhaltung und künstlerischen Details optische Akzente. Kalte Betonwände und blau-rote Lichtröhren bilden den Kontrast zu vibrierenden Sounds zwischen Minimal, Techno und House aus der extra für das Haus entworfenen Anlage.
Das Konzept des schrillen Fisches kann sich sehen lassen – theoretisch.
Stinkiges Fischlein
Irgendetwas stimmt dann doch nicht. Was ist es? Was läuft falsch?
Es fängt an zu dämmern: Die Bemühung einen hippen Club zu schaffen, steht derart im Vordergrund, dass es schon beinahe stinkt. Das ganze Projekt wirkt gesichtslos. Das Fischlein geht im Glanz der Designer-Lichtershow verloren und ist das Licht einmal aus, dann treibt es nur noch vor sich hin.
Statt angestrebter Hipster-Party sieht das spärliche Treiben, trotz exklusiver Kooperation mit dem Vice-Magazine, nach After-Work-Clubbing aus. Gute Stimmung kommt bei den Gästen kaum auf. Das einzige was die Tanzfläche füllt, ist der weiße Rauch der Nebelmaschine.
Und als wir auch noch von einem Insider erfahren, dass die nicht vorhandene Gästeliste, doch sehr existent ist, wirkt der Club nur noch scheinheilig.
Ablaufdatum
Ein Mädchen hatte bei unserer Ankunft die “Grelle Forelle” schon jetzt als Musikinstitution bezeichnet. Sagen wir es einmal so: Potential hat der Club durchaus, aber von einer Institution kann noch keine Rede sein und wäre und echten Clubgrößen gegenüber unfair. Fakt ist, dass viele Szenelokals ein Ablaufdatum haben; will man darüber hinaus existieren gehört mehr dazu als nur ein ausgefallener Name und ein überteuertes Designkonzept.
Vielleicht wäre es auf längere Sicht klüger gewesen in effizientere Kooperationspartner zu investieren, damit die Promotion nicht ganz so konturenlos verläuft und die grelle Forelle am Ende nicht zum toten Fisch wird.
VIENNARAMA wird in einem Jahr noch einmal vorbeischauen.
Grelle Forelle
Spittelauer Lände 12, 1090 Wien
Fr-Sa 23:00 – 06:00
www.grelleforelle.com
Credits: Sanja Nedeljkovic

