Review: Neulich im Mittelalter

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Neulich im Mittelalter. 109 Seiten. Zwölf Kurzgeschichten und Gedichte. Das ist aber schon alles, was das Erstlingswerk von Stefan Sonntagbauer mit einem „normalen“ Buch gemeinsam hat. Von Problemen eines Sheriffs bis hin zur Liebesgeschichte ist alles dabei. VIENNARAMA hat sich auf das Abenteuer eingelassen und konnte so seinen „Wiener Dialekt“ – Wortschatz aufbessern.

 

Living and sterbing and nothing much in between

Wir müssen zugeben. Man muss sich in den Stil von Stefan Sonntagbauer erst einlesen. Aber wieso eigentlich? Man ist es nicht mehr gewohnt, dass jemand schreibt, wie er spricht. Es wirkt so, als ob der Autor die Texte genau so niedergeschrieben hätte, wie er sie in einem Gespräch erzählen würde. Keine verkrampften verschnörkelten Satzgebilde. Da kann es schon passieren, dass Cowboys auf den Boden schlatzen. Dass der dicke deutsche Tourist ohne Scham einen Furz lässt und auf einem Society-Event die Gäste ihre Mitmenschen grob beschimpfen und das ganze Fest eskaliert. So lustig dies zu lesen ist, macht es einem der Schreibstil teilweise schwer mitzukommen und man erkennt erst später, worum es denn genau geht.

 

Tragödi dö Amour 1

Auch wenn viele Geschichten einem ein Grinsen ins Gesicht zaubern, schlägt der junge Autor auch andere Töne an und bringt den Leser zum Nachdenken. Über Beziehungen. Das Leben. Und Leidenschaften.

 

„ Die nächtliche Tätowierung löst sich. Ich ohnmächtig. Einzige Spur bleibt die Wunde, die ich mir gleich zu Beginn meines Ausflugs geschlagen hatte. Sichtbar. Ich stecke den Schlüssel ins Schloss, schließe die Tür auf und da schleicht Schauer über mein Herz. Nichts fürchte ich mehr, als unter ihnen zu sein.“

 

Into the wild

Zwischen den Kurgeschichten gibt es immer wieder kleinere Gedichte und Illustrationen, die das Buch auflockern. Gleichzeitig wirken sie jedoch auch stellenweise verstörend und düster. Stets in Schwarz-Weiß gehalten und Menschen immer mit Tierköpfen gezeichnet.  Sie runden das Buch ab und bilden mit ihm eine kompakte Einheit.

 

VIENNARAMA-Fazit: Wer Lust hat einmal wieder etwas Unkonventionelleres zu lesen, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Die 109 Seiten lesen sich schnell und bei dem praktischen Format ist es auch nicht schwer, unterwegs darin zu schmökern.

 

 

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