Interview: Fill MC
Gestern haben wir euch das neue Album von Fill Mc vorgestellt. Der Rapper hat es sich nicht nehmen lassen und sich für Felix Koller und VIENNARAMA Zeit für ein Interview genommen.
Wie bist du zu Hip Hop gekommen bzw. wann hast du gewusst, dass Rap das ist, was du machen willst?
Der erste Kontakt mit Musik, an den ich mich erinnern kann, war als Kind. Ob zu Hause oder im Auto, egal wo, es lief immer Musik, dank meinen Eltern. Das hat mich sicher beeinflusst und meine Kindheit mitgeprägt. Mit circa 8 Jahren hat mir dann der ältere Bruder eines Freundes ein paar deutsche Rap-Kassetten von Hamburger Künstlern in die Hand gedrückt. Ein paar Monate später, war ich als Zuschauer auf meiner ersten HipHopJam. Im Alter von 14 hing ich viel mit Freunden ab, die in ihrer Freizeit, genauso wie ich, Spaß am skaten, sprayen, kiffen und freestylen hatten. Alles andere war nur noch nebensächlich. Hauptsache Hip Hop und Spaß haben.
Welche MCs haben dich inspiriert?
Da ich schon ziemlich früh viele verschiedene Rapper gehört habe, ist das schwer zusagen. Inspiriert ist vielleicht das falsche Wort. Die ersten Leute, die ich wirklich gefeiert habe, waren: das Hamurger Label Eimsbush (Dynamite Deluxe, Ferris Mc, Eins Zwo, usw.), Royalbunker, Creuzfeld & Jakob, Absztrakkt, Bassboxxx mit Mach One & Akte. Aus Amerika waren die ersten Künstler Nas, Cypress Hill, Necro, Eminem & Dr Dre die ich näher verfolgt habe.
Warum rappst du bzw. was möchtest du damit bewirken?
Ich rappe, weil ich Spaß daran habe und es auch auf eine Art auch ein Ventil ist, Emotionen und Gefühle rauszulassen. Ich finde, dass man mit Rap bzw. der Sprache sehr viel machen kann wie z.B. Wortspiele, Metaphern, Rhetorik, Reimstrukturen usw. Ich war schon immer ein Mensch, der sich gerne mitteilt und außerdem sehr musikalisch. Da war es naheliegend, die beiden Leidenschaften zu kombinieren.
In erster Linie ist meine Musik ein Weckruf. Ich bin der Meinung, dass das System, die Gesellschaft und ihre Werte immer mehr verkommen. Durch Eindrücke und durch mein Umfeld geprägt, versuche ich die Welt aus meiner Sicht zu zeigen. Mir geht es im Prinzip darum, den Hörer zum nachdenken zu bringen und ihm einen Anstoß zu geben. Meine Musik ist nicht als Hintergrundbeschallung für den Hausputz gedacht. Bei den tiefergehenden Songs versuche ich, der Person durch einen ganzen Track oder auch nur einen einzigen Satz etwas mitzugeben, einen neuen Denkansatz wenn möglich.
Bei Party- oder Battletracks geht es mir primär darum, Spaß zu haben und zu unterhalten.
Auf deinen Alben und EPs sind viele Leute aus Deutschland vertreten. Würdest du sagen, dass junge Rapper aus Österreich generell viel Network mit gleichgesinnten Musikern aus Deutschland betreiben oder bist du da ein Einzelfall? Wie bist du zu all den Kontakten gekommen?
Ich habe das in den letzten Jahren ein bisschen forciert. Ich habe mitbekommen, dass es immer öfters vorkommt, dass Künstler aus beiden Ländern zusammenarbeiten. Da alle durch das Internet vernetzt sind, ist es leicht für einen Producer, Beats an Rapper ins Ausland zu schicken. Umgekehrt genauso.
Bei Sleepwalker, PMA, RahKronePrinz, Satán & Snarez war es so, dass der Kontakt über das Internet zustande kam. Mach One z.B. kenne ich auch schon seit 2008, den ich dann am Splash (größtes europäisches Hip Hop-Festival, Anm. der Red.) wieder getroffen habe. Wenn die Leute down sind mit deinem Zeug, entsteht ein Feature ziemlich schnell.
Was unterscheidet Fillosophie von deinen ersten beiden EPs?
Fillosophie ist um einiges deeper und auch ein Stück erwachsener. Ich hab mich menschlich, musikalisch, raptechnisch und was das Schreiben betrifft, in den letzten 3 Jahren weiter entwickelt. Es ist aber immer noch der erkennbare „Fill MC-Sound“, den Sleepwalker wieder den letzten Schliff verpasst hat. Nur reifer, qualitativ besser und mit neuem Producern. (Schieber & Teig, Snarez) Das Album ist ein Mix aus beiden EPs. Man findet auf der CD wieder sehr viele persönliche Texte, wie auf „Die 7 freien Künste“. Es gibt aber auch ein paar Battle Tracks, wie auf „E.F.A.A.F.M“. Ich glaube, für jeden Geschmack ist etwas dabei.
Was ist die Fillosophie?
Man lebt nur einmal, darum mach was draus, aber das wäre zu einfach.
Man sollte auf jeden Fall alles dafür tun, um das zu erreichen was man will, ohne anderen das Leben schwer zu machen. Karma spielt auch eine Rolle. Da es meiner Meinung nach so etwas wie Glück nicht gibt, sondern man dafür selbst verantwortlich ist, ist das mit jeder Menge Arbeit verbunden. Egal wie oft man fällt und Leute versuchen einen mit Füßen zu treten, man sollte trotzdem immer wieder aufstehen.
Man sollte nicht versuchen es allen recht zu machen, weil das sowieso nicht funktionieren würde. Es gibt meiner Meinung nach schon zu viele, die sich bei jedem einschmeicheln, der ihnen irgendwie weiterhilft. Ich bin direkt und kein Hater. Ich sage nur jedem ehrlich meine Meinung ins Gesicht, auch wenn manche das mit Arroganz verwechseln. Das ganze in ein paar Sätzen zu erklären, ist schwierig für mich. Wenn man mich besser verstehen will, sollte man sich das Album kaufen.
Dein Album ist sehr persönlich geworden. Was hat dich geprägt in deinem Leben?
Wie schon vorher erwähnt, hat die Musik mich geprägt und fast alles was in meinem Leben passiert ist. Ob positiv oder negativ. Man sollte vor allem aus Fehlern lernen. Es gab vor 5 Jahren eine Phase, in der viele Sachen schief liefen und ich viel Lehrgeld zahlen musste. Das war auch der Zeitpunkt, an dem ich zum Rappen begonnen hab.
Was mich besonders geprägt hat, war meine Zeit als Rettungssanitäter, in der ich Menschen reanimiert habe, in 24-Stunden Schichten gearbeitet habe und viele interessante Menschen kennengelernt habe. Das war für mich wirklich interessant.
Du hast ein Album im Studio von DJ Burnee aufgenommen. Wie läuft die Zusammenarbeit mit ihm bzw. war es immer leicht?
DJ Burnee hab ich vor 2 Jahren über meinen alten Producer kennen gelernt und ist seitdem mein Live-DJ. Er hat am neuen Album, auf 6 Tracks, Cuts beigesteuert und alles mit mir recordet. Er ist im Laufe der Zeit ein guter Freund geworden. Sonst könnte so etwas auch nicht funktionieren. Wenn man 5 Monate lang fast jeden Tag stundenlang im Studio abhängt, dann geht man sich verständlicherweise ab und zu auf die Nerven, aber wenn man aneinander gerät, versucht man sich wieder mehr dem Wesentlichen, der Musik, zu widmen. Wir arbeiten beide sehr professionell, darum hat es dann auch gepasst!
Wie gehst du an einen Track heran?
Ich bekomme von verschieden Producern Beats zugeschickt, hör mich durch und pick einen, der mir gefällt. Dann schau ich, was für eine Atmosphäre transportiert wird und welches Thema dazu passt. Oder ich hab eine Idee für einen Track, mach mir schon vorher ein paar Notizen und such dann den Beat, der dazu passt. Je nach Laune.
Ich schreibe meist in der Nacht so von 0:00 bis 06:00, das ist für mich die beste Zeit, um kreativ zu sein.
Abschließende Frage! Hast du schon Pläne für deine musikalische Zukunft? Könntest du dir vorstellen ein anderes Genre zu machen?
In ein paar Wochen gibt es eine verspätete Release Party und danach werde ich wieder auf Beatsuche gehen. Ich will jetzt noch nicht zu viel verraten. Es wird elektronischer, mit mehr Synthi-Elementen und dergleichen. Dubstep und Reggae sind zwei interessante Sparten, die man gut mit Hip Hop kombinieren kann. Aber im Moment steht der Verkauf des Albums im Vordergrund. Damit wir mit den Einnahmen neue Projekte, Videos und Merchandise, usw. finanzieren können.
- Felix Koller

