Portrait: The End Band
Was braucht man für ein gutes Interview? Einen Interviewpartner, gutes Essen und Gesprächsstoff. VIENNARAMA hatte all das. Nämlich in Form der „The End Band“, einem kleinen japanischen Restaurant und Geschichten aus dem Leben einer jungen österreichischen Band. Warum man einen Kaugummi zu einem Konzert der Musiker mitnehmen sollte? Wir verraten es euch.
Wir sind hungrig als wir „The End Band“ aus dem Studio abholen. Das ist gut, haben wir uns ja zum Mittagessen mit den fünf Musikern verabredet. Für uns haben sie extra eine Mittagspause eingelegt und die Aufnahmen unterbrochen. Sympathisch. Den Produzenten haben sie auch gleich im Gepäck und nach kurzer Diskussion steht fest: Ein Japaner soll es sein. Sympathie. Hört man den Musikern zu, fällt auf, dass sich das scheinbar durch ihre Bandgeschichte zieht. „Wir sind nett, lustig und charmant. Schwiegermutter’s Liebling sozusagen“, lässt man uns gleich am Anfang mit einem Augenzwinkern wissen. Auch ein Live-Konzert dürfte sich für den Besucher auszahlen. Denn neben der Musik sind Konzerte auch eines: „Schmusbar. Es ist kein Kuschelrock aber es ist gut zum Schmusen“.
IndieRockPop – aber ein bisschen schräg.
Gut, wer sich mehr auf das Geschehen auf der Bühne konzentrieren will, für den haben die Burschen natürlich auch etwas.
Denn sie wissen, warum man sie unbedingt mal bei einem Konzert besuchen sollte „1. Wir sind „The End Band“. 2. Sexappeal – es erwartet einen eine mächtige Portion Sex auf der Bühne. 3. Es ist einmal etwas Anderes. Wir haben noch nie etwas Vergleichbares gesehen.“, lässt man uns wissen. “BHs sind aber noch keine geflogen“, ist der leicht enttäuschte Nachsatz und zugleich die Aufforderung an die weiblichen Besucher.
Es war Liebe auf den ersten Blick
Doch die fünfköpfige Band kann auch ernst sein. Nämlich, wenn es um ihre Bandgeschichte geht und um die Studioarbeit. Doch etwas über sie herauszufinden ist nicht ganz einfach. Schweigen sie sich online über die Entstehung der Band aus. Absicht? „Ich finde es immer total uninteressant so Bandeinträge zu lesen. Dass wir nichts über uns bekannt geben, ist keine Absicht, aber wir haben auch keine so spannende Bandgeschichte. Wir haben uns nicht gedacht, wir wollen es nicht preisgeben, sondern haben es einfach nicht gemacht. Aber wir sollten vielleicht eine bewusste Geschichte erfinden.“
Deutsch singen – wir könnten es, wir wollen aber nicht.
Was auffällt, wie bei so vielen jungen Bands in Österreich, wird auch hier auf Englisch gesungen. Das hat auch seine guten Gründe: „Beim Songwriting schreibe ich immer über sehr persönlich Dinge. Ich finde das Englische ist ein guter Filter oder Verfremdungsfaktor für diese persönlichen Geschichten. So kann ich mich ein bisschen distanzieren davon. Es ist eine gute Zwischeninstanz. Und ich schreibe sehr deutsche englische Texte, aber das finde ich auch okay. Ich finde es auch nicht so schlimm, wenn das Englisch ein bisschen falsch ist, das finde ich eher sympathisch.“ Wir geben zu – wir irgendwie auch.
In Österreich gibt es kein Bewusstsein für heimische Popkultur
Und wie steht „The End Band“ zu ihrer Heimatstadt Wien? „Wir finden Wien cool, weil immer viel passiert und viele junge Bands Sachen machen. Andererseits gibt es eine extreme Nischenbildung und als kleine Band muss man sich bemühen, Förderungen auftreiben. Man kann sich aber schnell connecten. Es gibt halt eine grundsätzlich fehlende Anerkennung der Musik, das ist halt das typisch österreichische – das Nörgelnde. Es ist aber ein positiver Aufschwung spürbar, außerdem – was nutzt dir jammern? Das bringt dich sicher nicht weiter.“
Doch wer live 1:1 die Studioversionen der Lieder erwartet, der wartet lange. Denn die Wiener haben gar nicht den Anspruch eins zu eins auf der Bühne umzusetzen, was sie im Studio geschaffen haben. Die Arbeiten dort sind bald abgeschlossen. Insgesamt fast 20 Studiotage haben die Wiener hinter sich. Doch reingehen, aufnehmen und rausgehen – das ist nichts für „The End Band“. Denn bei ihnen entwickelt sich viel im Studio, lassen sie uns wissen.
Neben der Studioarbeit hat die Band auch noch die Zeit gefunden, ein Label zu gründen. „Wenn das gut klappt, kann man auch andere Bands unterstützen. Wir sagen ja nicht, dass wir die besten der Welt sind. Wenn es coole Sachen gibt und wir die Möglichkeit hätten, denen unter die Arme zu greifen – why not? Wir sehen uns mal als Testobjekt, als Prototyp,“ erfahren wir mit einem Grinsen. Und da ist es wieder, das Ironische, das die Band zu einem kurzweiligen Gesprächspartner macht. Doch wir wollen sie nicht zu lange aufhalten. Deswegen schnell noch ein Foto mit unserem Logo gemacht und dann sind sie wieder dahin. Zurück im Studio. Wir danken für das Gespräch und freuen uns auf den CD-Release im Jänner.
© Fabian Zerché



