Ausstellungs-Review: Henkel Art Award Ter-Oganyan

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Im Museumsquartier herrscht derzeit modischer Ausnahmezustand. Während die oberen Etagen des MUMOK über Kleider reflektieren, widmet sich das Untergeschoss dem Henkel-Award Gewinner Avdej Ter-Oganyan. VIENNARAMA tauchte ein in eine Welt um Geld, Macht und Politik und grübelte, warum der Inhalt nicht ganz der Verpackung entspricht.

 

 

Senil, da weiß man, was man nicht hat

Assassination of the President

Fa, Gliss Kur und Persil kennen die meisten. Doch Henkel versteht sich nicht nur als Hersteller von Vollwaschmitteln und Kosmetikartikeln, sondern auch als Kunstförderer. Seit 2002 zeichnet der Henkel Award Künstler aus Zentral- und Osteuropa für ihre Einzigartigkeit und Kreativität aus. Mit seinem gesellschaftskritischen Werk gewann nun der gebürtige Russe Ter-Oganyan den Preis. Kunst sieht er als Ausdrucksmittel, aber auch als unmittelbare Reaktion auf sozial-politische Ungerechtigkeit. Halsbrecherisch kühn scheint das Aufbegehren gegen Zensur und politische Gewalt, bis die Lichtsensoren aufflackern und eine Kostprobe der Werke zeigen. Bei Persil weiß man ja bekanntlich was man hat. Bei Ter-Oganyan leider nicht.

 

Paint Workshop

Sketch

Voller Machiavellischer Ideen über Macht und Manipulation tritt man in einen Raum voller Slideshows. Die Bilder werden nicht nur durch Projektoren an die Wand gestrahlt, sondern flimmern einem auch durch die Bildschirme montierter Smartphones entgegen. Abstrakt und expressiv ist ja schön und bewusstseinserweiternd. Hier überkommt einen aber das Gefühl in einem Einführungskurs technischer Zeichenkunst, ergo in einem Paint Workshop gelandet zu sein. Als ob eine Kinderbande begonnen hätte aufs Geratewohl Herz und Ideen auszuschütten, wären da klobige Skizzen zinnoberroter menschlicher Silhouetten, Mordpläne eines Präsidentenanschlages, krakelige Schussszenen und jede Menge verwackelte Pinselstriche. Das Werk bildet eine kontrastreiche Chimäre aus allem, was die Palette an Farbe und Form hergibt. Nur scheint sie der Ernsthaftigkeit und Bandbreite des Themas nicht gerecht zu werden. Da fragt man sich, ob eben erwähnter Pinselstrich gewollt oder ungekonnt verwackelt wurde und ob Proteste und Attentate nicht zu geradlinig sind.

 

VIENNARAMA-Fazit:

Ein wenig gerät man in Bedrängnis. Die Idee von Protest und politischem Widerstand ist idealistisch und tugendhaft. Ganz anders verhält es sich aber mit der künstlerischen Umsetzung. Diese hat mehr von impulsiver Triebhaftigkeit denn durchdachtem Feingeist. Paint-Liebhaber werden sich an der wütenden Pinselstrichnostalgie aber sicherlich erfreuen.

 Ter-Oganyan – bis 2.September im MUMOK

© Avdej Ter-Oganyan

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