Interview: GUERILLA mode SHOPPING
Wir kennen ja viel. Guerilla Kämpfe. Guerilla Gardening. Doch nun gibt es auch: GUERILLA mode SHOPPING. First Style. Second Hand. Wir von VIENNARAMA haben es uns natürlich nicht nehmen lassen beim ersten Event dabei zu sein und haben die beiden Organisatorinnen getroffen. Nicht ganz uneigennützig haben wir auch das eine oder andere Kleidungsstück für uns ergattert.
Das Prinzip ist einfach. Aufgetaucht wird einmal im Monat für ein paar Stunden an einem bestimmten Ort. Jedes GUERILLA mode SHOPPING steht unter einem anderen Motto. Black & White. In Farbe und bunt. Firlefanz und Elfentanz. Marine, Seefahrt und Meer. Das Repertoire scheint grenzenlos. Das Besondere: Die Kleidungsstücke hängen stilvoll auf Kleiderständern und es gibt kein Wühlen, wie man es sonst von Flohmärkten gewohnt ist. Coole Idee. Und das finden nicht nur wir. Denn als wir zum Interview erscheinen, müssen wir uns erst durch eine riesige Menschenmenge kämpfen. Das Mutter-Tochter-Gespann freut es und beantwortet uns, während sie einpacken und kassieren einige Fragen.
Wie kam es zu der Idee „Anziehend – Guerilla Mode Shopping“ ins Leben zu rufen?
Annamaria: Die Idee ist die, dass wenn man sich vor Augen führt, wie viel Berge an neuen Sachen produziert werden und wie viele Alttextilien noch im Umlauf sind, man etwas tun muss.
Denn die Sachen sind zwar schon getragen aber noch in extrem guten Zustand. Da haben wir uns gedacht – es ist schade um die Modeschätze. Ich war immer schon so unterwegs und wühle auch total gerne – das hat meine Mama dann irgendwann inspiriert und dann war sie die treibende Kraft, die gesagt hat, dass man daraus was machen muss. Modeschätze heute noch mitspielen lassen und das was da ist aufzubrauchen. Was auch die Idee meiner Mama war, ist es so aufzubereiten. Gewaschen, gebügelt, hie und da ein Knopf dran genäht. So ist es auch für Menschen, die nicht gerne wühlen, ein angenehmes Ambiente, in dem sie aus den vielzähligen Einzelstücken eines aussuchen können, das für sie etwas Besonderes ist. Es soll Spaß machen und preiswert sein.
Wie kam es dazu die Events immer unter ein bestimmtes Motto zu stellen?
Annamaria: Die Idee war bei der Sichtung der Sachen, die wir hatten, für jedes Mal ein bestimmtes Thema zu überlegen. Auch einfachheitshalber, weil wir beim Sondieren auch schneller draufkommen und wissen, was uns noch fehlt. Die Bandbreite ist unerschöpflich, weil es so viel Alttextilien gibt, die man gut aufbereiten kann.
Wie kommt ihr zu den Sachen – sind die Kleidungsstücke aus dem privaten Fundus oder trifft man euch auf den verschiedensten Flohmärkten?
Annamaria: Teils, teils. Es ist ein Sammelsurium. Es ist viel gesucht aus Textilauflösungen, meine Mama macht auch viel Chaoscoaching bei anderen Leuten zuhause, wo auch der Kasten ausgemistet wird, in dem dann Fundstücke auftauchen. Wobei ich sagen muss, ich bin sehr streng: wenn das Material zu 100% Polyester oder Baumwolle ist, nehmen wir es nicht. Da bin ich sehr streng, meine Mama hat früher viel genäht und war Kostümbildnerin. Das heißt sie hat ein Auge dafür, welcher Stoff schön genäht ist, wie er fällt, wie viel Handwerk dahinter steckt, wie viel man für so etwas verlangen kann. Sie hat das Textilauge. Es sind wirklich auserlesene Dinge, die hier hängen und nicht alles was wir gefunden haben, hängt jetzt hier.
Wie lange dauert die Vorbereitung für so ein Event?
Annamaria: Das Sammeln geht natürlich über Jahre, aber die Nettozeit komprimiert waren maximal zwei Wochen. Der Löwenanteil war, dass wir fast zehn Stunden gebügelt haben, auch noch einmal vor Ort. Das schluckt halt viel Zeit.
Ulrike: Die Idee haben wir das erste Mal zu Ostern gehabt. Dann haben wir die Facebook-Seite gemacht und Freunde gesammelt. Dann haben wir Sachen zusammengetragen. Meine Motivation war, dass ich gerne eine Boutique hätte, sie aber nicht immer haben will. Da haben wir uns gedacht wir machen es guerillamäßig. Da tauchen wir einmal auf und dann haben wir es und dann ist auch wieder gut. (lächelt)
Also werden sowohl Thema als auch Location jedes Mal gewechselt?
Annamaria: Richtig, die Location bleibt nicht die selbe. Wir beide sind eigentlich Überästheten und wenn der Raum nicht passt, dann kann man das dort auch nicht machen.
Wenn man sich umsieht hat man nicht den Eindruck auf einem klassischen Flohmarkt zu sein, es wirkt alles sehr klassisch und stilvoll – ein totaler Kontrast zu einem herkömmlichen Flohmarkt…
Annamaria: Das war auch die Idee, sich beispielsweise vom Naschmarkt-Flohmarkt, wo alles auf Leintüchern am Boden liegt, abzuheben und es so aufzubereiten, dass es Leuten, die damit eigentlich nichts anfangen können und nicht wühlen wollen, auch Spaß macht.
Hätte man das eine oder andere Kleidungsstück vielleicht doch gerne selber behalten?
Annamaria: Ja, ganz viel. (lacht) Ich habe ganz viele Sachen auch wieder zurückgehängt, weil ich mir dachte, es ist für andere Leute.
Die Sachen wurden jetzt auch manche schon gekauft und ich habe mit einem weinenden Auge nachgeschaut. Als wir unterwegs waren habe ich mir schon ein, zwei Sachen genommen, aber man verliert auch irgendwie die Lust daran. Das habe ich bei mir gemerkt. Wenn man zwei Wochen Klamotten in der Hand hat und schaut “Wie viel kann das kosten? Was muss man noch machen?” ist man dann übersättigt irgendwann.
Habt ihr mit so viel Ansturm gerechnet?
Ulrike: Beim ersten Mal nicht mit so Vielen müssen wir ehrlich sagen. Wir sind sehr überrascht.
Annamaria: Es war immer ein auf und ab zwischen „Es wird keiner kommen“ und „Oh Gott, was machen wir, wenn ganz viele kommen?“. Wir haben nicht einschätzen können, ob es Anklang findet. So wie es jetzt ist, sind wir überglücklich. Wenn das nächste Mal mehr kommen, erhöht es natürlich auch den Druck, weil wir mehr finden müssen. Jetzt heißt es wieder: Immer wieder schauen und aufmerksam sein.
Wer von euch Lust bekommen hat, das nächste Event steht vor der Tür:
First Style. Second Hand. “In Farbe und bunt”.
Samstag, 23. Juni 2012
14-17 Uhr
im TAG, Theater an der Gumpendorfer Straße
Gumpendorferstraße 67
1060 Wien




