Interview: Monika Mori

Monika Mori in Aktion

Ihr Künstlername lautet MOO. Bis vor kurzem war die österreichische Künstlerin in Amerika. Jetzt ist Monika Mori wieder nach Wien zurück gekehrt und sprach mit VIENNARAMA über Cy Twombly, Bruce Springsteen und Lebensträume. Und für euch hat sie ein Geschenk mitgebracht! Am Ende des Artikels warten auf euch Überraschung und Gewinnspiel.

 

Du warst jetzt eine Zeit lang im Ausland. Welche Erfahrungen hast du gemacht?

Ich kam durch Zufall nach Florida, war vorher nie in den Staaten und es war Liebe auf den ersten Blick. Vor allem bewegten mich Freiheit und Weitläufigkeit des Landes. Nachdem ich den Art Walk in Fort Myers besuchte, habe ich beschlossen meine MOOsahatchee Gallery zu gründen. Der Name ist eine Kombination aus meinem Künstlernamen MOO und dem Caloosahatchee Fluss. Der Eröffnungstermin stand fest, alle Vorbereitungen waren getroffen und dann ereilten mich tragische familiäre Ereignisse. Ich musste alles stehen und liegen lassen und bin zurück nach Österreich. In der Zwischenzeit wurde mein Appartement in Amerika ausgeraubt. Schuhe, Kleider, meine Bilder, alles war weg. Es war eine furchtbare Situation, eine Zeit, in der ich Substanz verlor, doch jetzt bin ich wieder voll da und weiß heute, dass es so kommen musste.

 

Du bezeichnest dich als Autodidaktin. Wie bist du zur Kunst gekommen?

Ich komme aus einem Haus, wo Kunst keinen Platz hatte, habe schon als Kind Bücher verschlungen und mir parallel eine Welt aufgebaut. In der Schule war ich schlecht in bildnerischer Erziehung, weil ich nicht umsetzen konnte, was von mir verlangt wurde. Eigentlich hatte ich gar keine Ahnung von Kunst, als ich mit dem Malen begann. Damals gab es Keilrahmen und Acrylfarben im Supermarkt und ich legte los, ohne zu wissen was Acrylfarben sind. Dann bin ich hergegangen und habe ausschließlich Kreise gemalt und es war wie ein Therapeutikum in dem es galt mich zu konzentrieren und meine Mitte zu finden. Das war der Kreis-Zyklus 2004, bis eines Tages mein Sohn meinte „Mama, du drehst dich im Kreis.“

 

Hattest du Vorbilder?

Absolut nicht. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich ohnehin das weiß, was ich wissen muss. Was jedoch später passierte, war sehr inspirierend. 2008 habe ich das erste Mal Cy Twombly in Madrid gesehen. Es ist unvergesslich. Als wir den Saal im Prado betraten, war ich zu Tränen gerührt, fühlte mich beseelt und so entstand auch ein Zyklus namens „Hommage to Cy Twombly“. Respektvoll nenne ich ihn meinen Kunstvater, verneige mich vor seinem Zugang zur Kunst und seiner zurückgezogenen Lebensart. Er ist letztes Jahr leider verstorben, was mich sehr betroffen gemacht hat, weil ich den Wunsch hatte ihn persönlich kennen zu lernen. Sein Spirit lebt für mich ungebrochen weiter.

 

Wie schätzt du die Wiener Szene ein?

Es gibt hier sehr viele tolle KünstlerInnen. Aber zum Großteil ist das eine Freunderl-Wirtschaft und das tut mir sehr weh. Die KünstlerInnen hier sind teilweise doch ziemlich hochnäsig und abgehoben, ich fange auch mit dieser Oberflächlichkeit sehr wenig an. Von den jungen KünstlerInnen trennt mich eine Generation, andere Sichtweisen und Erfahrungen. Ich bin da zu bodenständig und zu sehr im Außen. Ich will auch vieles gar nicht benennen oder mich erklären müssen. Seit einigen Jahren unterstütze ich zum Beispiel KünstlerInnen aus der ganzen Welt vor allem den Nachwuchs, weil ich die jungen Menschen darin bestärken möchte ihren Weg zu gehen und sich nicht verformen zu lassen.

 

Hast du vor in Wien eine Galerie auf die Beine zu stellen?

Nach den vorangehenden Ereignissen, bin ich derzeit in einer Phase der Umorientierung. Ich möchte gerne eine Galerie aufbauen. Aber es steht und fällt mit meiner Person und Persönlichkeit. Vielleicht findet sich noch eine Partnerschaft, aber es hat sich der oder diejenige hier noch nicht aufgetan.

 

Du hast einmal Kunst als „Vermittler des Unaussprechlichen“ definiert. Hast du einen psychoanalytischen Zugang oder spielt etwa Zufallskomposition eine Rolle für dich?

Ja, das ist ein Goethe Zitat. Für mich ist das Unaussprechliche etwas anderes als das, was ich nicht sagen kann. Zum Beispiel kann ich aus gesellschaftlichen Gründen gewisse Dinge nicht sagen, während das Unaussprechliche außerhalb meines Bewusstseins ist. Sehr oft kommt das Unaussprechliche erst während der Arbeit ins Bewusstsein. Durch das Malen kann ich meine Emotionen in ein Gefäß leeren und dann ist es auch weg von mir.

 

Gerhard Richter sagt im gleichnamigen Dokumentarfilm, er wüsste, wann das Gemälde gut ist. Hast du einen bestimmten Arbeitsrhythmus? Wann weißt du, dass ein Bild fertig ist?

Es gibt Bilder, die in wenigen Augenblicken geschehen, also innerhalb weniger Stunden. Dann gibt es solche die wochenlang stehen. Manchmal muss ich das Bild wegstellen, wenn ich zum Beispiel zu wenig Ruhe in mir habe. Auch die Tagesverfassung spielt eine wichtige Rolle. Aber ich male wenig gegenständlich und lasse Unvorhergesehenes zu. Deshalb lehne ich manche Auftragsmalerei ab, weil es mich zu sehr einengt und gewissermaßen eine Beschneidung meiner Freiheit ist.

 

Inwiefern haben deine persönlichen Erfahrungen die „Working on a dream“ Serie inspiriert?

Die Idee des Künstlerischen ist 2006 entstanden. Ich war zu diesem Zeitpunkt Fachtrainerin im arbeitsmarktpolitischen Kontext für Institute, die mit dem Arbeitsmarktservice zusammenarbeiten. Da habe ich eine private Initiative gegründet um Langzeitarbeitslose zu unterstützen. Ich wollte den Menschen vermitteln, dass sie alle Hürden überwinden können. Wenn eine problematische Situation besteht, ist es wichtig nach einer Lösung zu suchen und nicht still zu stehen. Ich konnte vorleben, dass Träume in Erfüllung gehen.

 

Wie entstehen die Texturen und Oberflächenstrukturen in der Serie?

Durch eine Gipslonguette darunter, die normalerweise als Gipsverband in Krankenhäusern verwendet wird. Ich hatte letztes Jahr ein Projekt unter dem Namen „White Flushing“. Darin habe ich einen Großteil meiner Bilder weiß übermalt. Das war ein sensationeller Reinigungsprozess für mich.

 

Kannst du mehr über „Working on a dream“ erzählen?

Der Titel ist von einem Bruce Springsteen Lied abgeleitet. Der Text sagt aus, was dazugehört um einen Traum verwirklichen zu können. Es ist viel Arbeit und eine gewisse Wachsamkeit erforderlich, um Zeichen und Botschaften zu erkennen, Türen aufzustoßen und weiterzugehen. Es ist wichtig den Fokus nicht ausnahmslos auf ein Ziel zu legen, sonst ist man zu fixiert, verheddert sich und wird abhängig. Vor allem ist es aber wichtig mutig zu sein. Mit „Working on a dream“ möchte ich Menschen das Gefühl vermitteln an der Verwirklichung eines Traums zu arbeiten und ihn fortzuspinnen. Im besten Fall entwickeln wir uns täglich weiter und so entwickelt sich auch der Traum. Die Idee vom Haus am Strand ist lediglich ein Ziel, aber kein Traum. Begonnen hat die Serie bereits 2006, als ich eines Tages nach Hause kam und mir mein Sohn mit einer Sebastian Madsen CD entgegenlief, auf der es hieß „Du schreibst Geschichte“. Er meinte, es beschreibe mich und das hat mich berührt und gleichzeitig bestärkt. Ich möchte Geschichte schreiben.

 

VIENNARAMA- Gewinnspiel:

Für VIENNARAMA stellt die Künstlerin ein Gemälde aus der Serie “Working On A Dream” bereit. Alles was ihr dafür tun müsst, ist uns folgende Frage in maximal 250 Worten an redaktion@viennarama.at zu beantworten: “Was ist dein Lebenstraum?” Wir wünschen viel Erfolg. Einsendeschluss ist der 11.Juli 2012!

 

Mehr von MOO gibt es unter:

http://www.facebook.com/moriartmoo

http://www.mori-art.at/

 
 
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