Interview: nebenzimmer sessions
Da wird gejammt, was das Zeug hält und der Jazz lebt auf. Jeden 3. Donnerstag im Monat finden die nebenzimmer sessions im Cafe Leopold statt. VIENNARAMA wollte wissen, wer dahinter steckt und plauderte mit Darius Edlinger (Gitarre), Philipp Eder (Keyboard, Synthbass) und Michael Prowaznik (Drums) über die Improvisationskultur und den unsichtbaren Bassisten.
Wer oder was sind nebenzimmer sessions?
Michael Prowaznik: Das sind wir drei.
Darius Edlinger: Der Name hatte im Neni seinen Ursprung. Das Nebenzimmer ist ein eigener Raum, den man für private Veranstaltungen buchen kann. nebenzimmer sessions ist nicht einfach nur der Bandname. Es ist das Happening und der Rahmen unter dem das Ganze läuft. Wir sind die Grundbesetzung aber es kann sein, dass wir Musiker einladen. Wir spielen unsere Instrumente unverstärkt, ohne dass der Veranstalter eine Anlage aufbauen muss und improvisieren live Beats.
Philipp Eder: So können wir auch mit relativ wenig Aufwand auftreten, zum Beispiel bei einer Vernissage oder anderen Veranstaltungen.
Wie bereitet man sich auf einen live Jamming Auftritt vor?
Michael Prowaznik: Es braucht Instrumentbeherrschung und einen Background in verschiedensten Musikstilen, vor allem solche die für uns relevant sind, wie Hip Hop, New Soul und Jazz mit einer guten Mischung Elektronik. Man komponiert miteinander im Moment und muss unmittelbar auf die anderen reagieren. Da passiert ein ständiger Austausch. Aber es setzt sehr viel Background voraus.
Darius Edlinger: Man kommuniziert. Jeder unterstützt den anderen während des Spiels und reagiert auf Ideen des anderen. Du hast dann eine Art Frage-Antwort-Spiel.
Philipp Eder: Ich spiele am Keyboard. In meiner Position geht es vor allem auch um Harmonien und Formen. Es erfordert, dass du viel vorausdenkst und gleichzeitig spontan bist. Du planst einerseits die ganze Zeit und verwirfst es dann wieder. Es passiert viel mehr als bei vorgefertigten Songs.
Entwickeln sich jedes Mal neue Stücke oder kommt ihr manchmal in gleiche Muster?
Philipp Eder: Das Besondere am Improvisieren ist, dass es extrem emotions- und tagesabhängig ist. Man merkt genau, wer an dem Tag besser oder schlechter drauf ist. Das spürt man untereinander und so verlaufen auch die Jams. Nehmen wir den guten Fall an: Wenn wir alle in einer super Verfassung sind, wird etwas komplett Neues entstehen und man wird sich mehr trauen Risiken einzugehen. Da werden sicher alle Muster, die man jemals hatte über den Haufen geworfen. Aber es kann natürlich sein, dass man einen schlechten Tag hat und es fällt einem nichts ein. Für solche Fälle legt man sich aber etwas zurecht. Dann kommen ab und an bekannte Muster zum Vorschein. Erzwingen kann man aber nichts.
Michael Prowaznik: Es gibt auch Vorgaben, zum Beispiel sollte die Musik tanzbar sein und in Rahmen und Stilistik bleiben.
Darius Edlinger: Man lenkt die Musik schon in eine Richtung, aber was den nächsten Moment macht, ist niemandem klar und darin besteht der Reiz.
Ist es schon mal vorgekommen, dass jemand aus dem Publikum mitjammen wollte?
Michael Prowaznik: Sobald das passiert, kommt die Security (lacht). Nein, das ist noch nicht vorgekommen. Meistens laden wir Leute ein von denen wir glauben, dass sie zu uns passen.
Darius Edlinger: Die Chemie muss schon stimmen. Man sollte schon im Vorhinein wissen, dass man mit ihnen „reden“ kann.
Philipp Eder: Dabei sollte ja auch für die Zuhörer etwas Gutes rauskommen. Sonst kann das auch nach hinten losgehen, was weder für uns noch für das Publikum gut ist.
Ihr seid die Ersten in Wien, die regelmäßig im Club jammen…
Michael Prowaznik: Naja, Jazz und Jam Sessions haben eine lange Tradition. Eine Improvisationskultur gibt es schon, vielleicht nicht in dem Genre, das wäre sonst purer Jazz.
Darius Edlinger: Oft richten sich Jam Sessions ausschließlich an Musiker und sehr selten findet das an Orten, die von Clubgehern frequentiert werden, statt. Wir versuchen die improvisierte Beat-Musik mit live gepielten Instrumenten wieder clubfähig zu machen. Man kann zu Jam Sessions sehr wohl abgehen. Wir möchten den Leuten zeigen, wie aufregend und interessant dieser Prozess sein kann.
Wollt ihr zum Abschluss noch was los werden?
Philipp Eder: Noch etwas zur Besetzung. Wir haben keinen Bassisten. Das war für mich am Anfang die allergrößte Herausforderung in der Band.
Michael Prowaznik: Philipp hat ja eine Doppelfunktion, er spielt mit einer Hand Keyboard und mit der anderen Hand Bass.
Wieso habt ihr keinen Bassisten?
Philipp Eder: Der ist nie zur Probe gekommen (lacht).
Darius Edlinger: Und er taucht auch nie beim Gig auf (lacht).
Das Mysterium um den Bassisten verraten uns die drei dann off the record. Wir müssen leider still schweigen. Sommerpause gibt es bei den nebenzimmersessions aber keine. Das Geheimnis um den Bassisten könnt ihr demnächst selbst herausfinden:
nebenzimmer sessions
Donnerstag, 19.Juli 2012
ab 22.30
im Cafe Leopold, Museumsplatz 1
1070 Wien


