Interview: Ösi Bua

…si Bua

648 361 Views auf Youtube. 7 016 Fans auf Facebook. Hört sich nach einer langen Karriere an? Von wegen. Das alles wurde in knapp einem halben Jahr geschafft. Doch wer steckt hinter dem Erfolg? Ösi Bua. Für VIENNARAMA hat er sich Zeit genommen, um über das typisch Österreichische und seine Heldenfunktion zu plaudern. 

 

 

“I BIN DA ÖSI BUA”. Seit Monaten wird er in den österreichischen Charts rauf und runter gespielt. Die einen lieben ihn, die anderen hassen ihn. Doch eines ist klar: jeder kennt ihn. Stets mit Lederhose und einem Lächeln bewaffnet, war es schwer ihm zu entgehen. Mit Redakteurin Hannah hat er sich getroffen, zwar ohne Lederhose, aber mit viel Schmäh.

 

Schön, dass du dir Zeit für uns genommen hast. Verrate uns, wie und warum ist Ösi Bua entstanden?

Ich wollte immer schon etwas Eigenes starten. Ösi Bua wollten wir Ende letzten Jahres starten und den Namen hab ich immer schon von meinen Bauernfreunden gehabt. Die haben immer gesagt „Du bist der perfekte Ösi Bua“. Und ich hab mir gedacht, wenn ich mal was mache, behalte ich mir den Namen gleich. So ist das alles Ende 2011 enstanden und mit „I bin da Ösi Bua“ wollte ich mich vorstellen.

 

Wie würdest du deine Musik jemanden beschreiben, der noch nie was von dir gehört hat?

(lacht) Das ist extrem schwer. Aber das war uns auch bewusst. Wir haben gesagt wir wollen etwas Neues machen und wir wollen die Leute beeindrucken – sei es positiv oder negativ. Wir wollten alles zusammenmischen und die österreichische Kultur cooler machen. Wir nehmen die Quetschn her und da ich vom Land bin, wollten wir alles, was mit Landwirtschaft zu tun hat, höher heben und es auch für die Jugend schmackhaft machen. Wir nehmen die Quetschn, mischen es mit elektronischen Beats und Drum’n’Bass. Wir nehmen einfach alles zusammen – dafür müsste man einen neuen Namen erfinden (lacht) . Aber wir sehen das eher als Kultur-Elektro.

 

Wenn du deine Musik als Farbe beschreiben müsstest, welche wäre das?

Auf jeden Fall grün. Das ist meine Lieblingsfarbe und die Farbe der Hoffnung. Wenn ich

Der Ösi Bua in seinem Element

Musik mache, mache ich die nicht nur für mich, sondern ich hoffe schon, dass Leute die Musik sehen und verstehen, was ich aussagen will und sie dadurch Hoffnung finden.

 

Ganz ehrlich, hast du mit dem Erfolg gerechnet?

Mit dem Erfolg überhaupt nicht. Mit der ersten Single wollte ich mich einfach nur vorstellen. Der Name „Ösi Bua“ sollte einfach nur in den Köpfen hängen bleiben. Deswegen haben wir gesagt, wir machen ein Lied, wo der Name oft vorkommt. Aber das war eigentlich nur ein Anfangsgag – dass es so einschlägt, hätten wir nie gedacht. Wir waren tagtäglich überrascht. 2011 sind wir zusammengesessen und haben gesagt 30 000 Klicks – gar nicht so schlecht. Anfang Jänner waren es dann schon 50 000, dann 100 000 Klicks. Dann haben wir eine Fangruppe auf Facebook gegründet und waren bei 200 000 Klicks – da waren wir sehr überrascht und sind es bist jetzt noch, wenn man bedenkt, was alles passiert ist in der kurzen Zeit.

 

Woran glaubst du liegt es, dass die Leute so fasziniert sind von dir?

Ich glaube, es ist einfach mal etwas Neues. Ich bin am Land aufgewachsen und ich steh drauf. Ich denke, das ist für Österreicher sehr überraschend, dass einer vom Ausland kommt und ein Färbiger ist auch noch dazu und sagt „Ich bin stolz darauf, Österreicher zu sein und stolz darauf, mich als Bauer zu bezeichnen“. Immerhin werde ich in Wien eh immer angesehen wegen meinem Dialekt, also wieso sollte ich kein Bauer sein oder keiner bleiben? Das überrascht wahrscheinlich die Leute.

 

In einem Bericht wird von dir als der neue Held der österreichischen Jugend gesprochen. Siehst du das als Ehre oder eher Druck?

Ich sehe das nicht als Druck. Ich hab früher Fußball gespielt, da hab ich gelernt mit Druck umzugehen und wenn die Leute das sagen, ehrt mich das. Aber ich denke mich als Held zu bezeichnen, wo ich erst so wenige Nummern draußen habe, ist zu früh. Ich hab noch nicht alle Aussagen getroffen, die ich treffen will. Es freut mich, dass die Jugend auf mich steht, mich die letzten Monate gefeiert hat. Aber ich bleib immer am Boden und weiß, es ist noch viel zu tun. Vielleicht kann man in zehn Jahren von einem Helden sprechen. Ich finde, es sollte keiner eine Biografie vor seinem 30ten Lebensjahr schreiben, deswegen sollte auch keiner zu einem Helden gekürt werden vor seiner Biografie. (schmunzelt)

 

Wenn man deine Musik hört, kommt sofort Partystimmung auf, aber du hast ja auch eine ernsthafte Message, die du vermitteln möchtest…

Vollkommen. Deswegen bin ich auch immer überrascht, dass mich die Leute schon zum Helden küren. Es werden Lieder folgen, wo ich natürlich auch mehr von mir gebe und auch ernste Sachen anspreche. Mir ist auf jeden Fall wichtig, dass die Jugend merkt, dass wir die Kraft haben etwas zu verändern. Nicht nur die Jugend, auch Zugewanderte. Dass sie Mut haben müssen und dass Österreicher und wir alle eins werden. Das ist etwas, was mir sehr wichtig ist, dass wir alle eins werden und anpacken – das ist mein erstes Anliegen. Und es werden weitere folgen, aber darüber möchte ich noch nicht reden. Beim Ösi Bua hört man auch „Ich geh gerne wählen, ich mach, was ich will und ich sag alles ist rot weiß rot, das Leben ist perfekt.“ Und das ist mir einfach wichtig, dass die Jugend hart arbeitet, was wir eh tun in Österreich. Die Jugend in Österreich arbeitet härter als in sämtlichen anderen Ländern. Wir arbeiten hart, es fehlt uns nur noch der Mut, dass wir den Mund aufmachen und tun was wir wollen und wählen gehen, um unsere Stimmen zu unterstützen.

 

Was darf man sich live erwarten?

Live können wir uns als die verrücktesten Bauern bezeichnen. Live crashen wir und wollen überall, wo wir sind, Spaß haben. Wir wollen, dass die Leute uns nahe kommen und deswegen kommt es auch vor, dass ich von der Bühne gehe und mit den Leuten unten Party mache. Unsere Live-Auftritte kann man als Party-Atzen beschreiben.

 

Du sprichst ja oft vom typisch Österreichischem. Was ist für dich typisch österreichisch?

Für jeden ist typisch österreichisch was anderes. Ich bin halt am Land aufgewachsen und für mich ist typisch: 1. Gute Stimmung, die haben wir bei uns immer gehabt. Es ist schon vorgekommen, dass wir zu Mittag a halbe Bier getrunken haben oder ein Achterl und ein paar Schmähs gelaufen sind. 2. Loyalität, hab ich auch bei uns am Land gemerkt, wir sind uns alle nahe gekommen. Das sind halt das Wirtshaus und die Heurigen bei uns, die Leute haben immer was zu erzählen gehabt und sind immer zusammengekommen. Das ist für mich das typisch Österreichische. Und was für einen Wiener, der im ersten Bezirk aufgewachen ist, typisch ist, dass muss er selbst entscheiden. Ich bin da immer nur von mir ausgegangen und nie von allen.

 

Ösi Bua mit dem VIENNARAMA-Logo

Stört es dich, dass plötzlich Menschen an deinem Privatleben interessiert sind? Siehst du das als Schattenseite des Erfolgs?

Stimmt schon. Das gehört dazu. Egal, was du heute machst, die Leute werden immer wissen wollen, was dahinter steckt. Und wenn du ein Buch schreibst, dass sich verdammt gut verkauft, werden sie wissen wollen, wer ist die Künstlerin, die das Buch geschrieben hat, das zeigt Interesse. Es freut mich, dass Österreich Interesse an mir hat, das zeigt das Österreich offener ist, Interesse anderen gegenüber zu bezeugen. Ich denke, das ist wichtig und das gehört einfach dazu und jeder, der Musik macht, muss damit klarkommen ein bisschen Privatsspähre herzugeben.

Was sind deine Pläne für Zukunft?

Nach dem Sommer werden wir live unterwegs sein. Ende des Jahres wir das erste Album kommen. Das wird ein sehr, sehr wechselhaftes Album. Ich will Elektronisches draufpacken, ein bisschen Hiphop, ich will die gute Quetschn rausholen und wieder produzieren und alles bunt mischen. Ich sehe da echt keinen Unterschied in der Musik. Für mich ist Musik so wie Menschen. Ich finde zu jeder Musik eine Liebe und das will ich einfach zusammenpacken, weil wir einfach alle eins sein.

 

Eine letzte Message an die Welt?

Ich hoffe, dass die Leute die Musik weiterhin hören und versuchen die Hintergrundmessage rauszusuchen, die ich verpacke. Die sollten einfach nix verschreien, weil man sollte nie eine Musik verschreien, weil es nicht seine Musik im Generellen ist. Denn Musik ist einfach groß. Man sollte in jeder Musikart versuchen, seine Liebe zu finden. Das ist mal das Wichtigste.

 

 

Photocredits: Michael Breyer Warner Music Austria GesmbH, Hannah Poppenwimmer

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