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Socken, die die Vielfalt rocken. Aber sie können mehr als das – sie sollen zudem ein optisches Zeichen setzen, um die kulturelle Vielfalt sichtbar zu machen. Das ist die Mission der beiden gebürtigen Rumäninnen Andra und Iulia. VIENNARAMA haben sie verraten, was genau hinter „Younited Cultures“ steckt. 

Ihr habt mit einem Schal begonnen, um die kulturelle Vielfalt sichtbar zu machen – die neuen Designs beschäftigen sich mit Socken. Socken, die die Vielfalt rocken! Wie kam es zur Idee?

Zuerst muss ich kurz das Muster erklären. Das Symbol der kulturellen Vielfalt, die bunten Quadrate, repräsentiert die Schönheit und Bereicherung der Kulturen. Jede Farbe des „Celebrate Migration“ Designs steht für eine andere Kultur, und jede Kultur hat eine inspirierende Geschichte zu erzählen. Gemeinsam bilden sie ein Fest der Vielfalt. Wir wollen durch dieses bunte Muster die Aufmerksamkeit auf das positive Image der Migration legen. Denn unser Image wurde lang genug verdreht. Letztes Jahr haben wir unser Muster auf einen Schal gebracht, den es ganzjährig bei uns online zu kaufen gibt. Viele tragen ihn bereits und das zeigt, dass der Bedarf nach einem positiveren Dialog und bessere Sichtbarkeit dieser Seite der Migration da ist.

Wieso Socken? Ich liebe bunte Socken. Ich finde sie sind eine gute Art, um einen Teil seiner Persönlichkeit zu zeigen, ohne dass man etwas sagen muss. Wenn ich jemanden mit bunten Socken sehe, kann ich einer Person schon schon einige Charakterzüge zuordnen: offen, risikofreudig, abenteuerlich, gesellig, lässig, cool.
Die Idee zu den Socken kam bei einem Gespräch mit Dream Academia, die große Fans von Younited Cultures sind. Sie sagten: „Wieso machen wir nicht als nächstes Socken?“ Das habe ich nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Darum habe ich nach einem Besuch bei meinen Eltern in Rumänien die Sockenfabrik in Sebes, meiner Heimatstadt, besucht. Ich wollte nachsehen wie sie arbeiten und was ihre Firmenpolitik ist. Das ist mir sehr wichtig. Ich war positiv überrascht zu sehen, dass sie sehr großen Wert auf Nachhaltigkeit, Qualität und Fairness legen.  Diese Fabrik ist seit fast 90 Jahren auf dem Markt und hat viel Erfahrung in der Herstellung von Socken. Und so sind die Vielfalt-Socken ins Leben gerufen worden.

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Ihr vereint Mode, Nachhaltigkeit und kulturelle Vielfalt in einem Produkt, und eure Mission ist das Re-branding MigrantInnen!“ – Wie wollt ihr das umsetzen?

Denk mal kurz nach. Wenn ich das Wort „Migrant“ sage, assoziierst du automatisch viel Negatives damit. Unbeabsichtigt, aber trotzdem passiert das. Das passiert, weil das Thema Migration eben immer in diesem Licht dargestellt wird. Es ist Zeit, die andere Seite zum Ausdruck zu bringen. Ich will zeigen, dass Migranten cool sind. Ich bin ja ständig von solchen umgeben, trotzdem lese ich in den Zeitungen meist nur über diejenigen, die kriminelle Taten begehen.

Die Politik hat uns in dieser Hinsicht im Stich gelassen. Wir reden heutzutage viel von Integration, aber man vergisst, dass wir trotzdem mit Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt zu kämpfen haben. Integration endet nicht mit dem erfolgreichen Einstieg in den Arbeitsmarkt. Diskriminierung ob der Herkunft ist in Unternehmen weit verbreitet. Das habe ich auch selbst erlebt.
Was macht man dann? Integration ist eine Zweibahnstraße. Daher müssen wir zeigen, wer wir wirklich sind. Wir müssen Gesichter zeigen, Namen nennen, wir müssen es MigrantInnen für Menschen zu Personen machen. Damit sie keine Angst vor uns haben. Und damit man das Wort Migrant nicht mehr so negativ wahrnimmt.

Manche empfehlen uns, das Wort „Migrant“ nicht mehr zu verwenden, sondern das Wort „International“. Jetzt frage ich dich wieder: An welche Nationen denkst du, wenn ich mich als internationaler Mensch bezeichne? An Rumänien? An Polen? An Serbien? Nein. Du assoziierst damit eher Frankreich, Deutschland, Italien, Skandinavien, die USA, etc. Daher muss ich dieses Wort „Migrant“ verwenden und es mit positiven Beispielen füllen, oder besser gesagt „re-branden“. Solange dieses Wort in den Medien negativ belastet wird, muss ich das Gleiche machen, aber im positiven Sinne.
Wir sind nicht ein Modelabel per se, sondern ein Statement-Label. Unsere Schals folgen nicht den Trends und Farbenkombinationen der Modewelt. Sie folgen den Geschichten und Charakteren der Menschen, von denen wir erzählen. Diese bestimmen, wie ein Schal ausschauen soll.

Erzählt bitte ein wenig über Younited Cultures– wer steckt dahinter? Was wollt ihr erreichen?

Younited Cultures wurde von mir, Andra Slaats und Iulia Mugescu gegründet, mit dem Ziel, das positive Image der MigrantInnen mittels einzigartiger Accessoires zu promoten. Die Erfolgsgeschichten von migrantischen Vorbildern werden in Schals umgewandelt. Gemeinsam mit ihnen visualisieren wir im kreativen Prozess ihren Integrationsweg. Die Erfolgsgeschichte kann man zusätzlich in den Broschüren nachlesen, die unsere edle Verpackung begleitet, und auch online findet man ein Profil inkl. Interview von derjenigen Person. Man trägt mit unseren Produkten nicht nur schöne Accessoires, sondern auch persönliche Geschichten mit in die Gesellschaft. Dieser kreative Prozess, Geschichten in Schals umzuwandeln, kommt auch bei Unternehmen gut an. Sie wollen ihre Firmengeschichte erzählen lassen. Gemeinsam mit den MitarbeiterInnen entwickeln wir ihren eigenen Firmenschal, der sich perfekt als Kunden- oder Mitarbeitergeschenk eignet.

Unsere Mission ist also Migration zu re-branden, sie von der Seite zu zeigen, die wir zwar kennen, die aber leider zu wenig promotet wird. Und da wir nicht alle positive Geschichten in den Vordergrund bringen können, haben wir den Celebrate Migration Schal entwickelt, als Symbol der positiven Seite der Migration, die wir sichtbar machen wollen. Jeder, der ihn trägt, bekennt sich zu dem Statement: Migranten bereichern ein Land, und ihr positives Image gehört gezeigt.

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Ihr habt gerade eine Crowdfunding-Kampagne gestartet – wie kam es zu dem Schritt?

Wir wollten die Socken promoten und Crowdfunding ist ein guter Weg, um eine große Masse an Menschen zu erreichen. Gleichzeitig, wollen wir die Produktion damit finanzieren. Für Social Entrepreneure gibt es wenige Förderungen, daher ist eine Crowdfunding-Kampagne eine tolle Maßnahme.

10 % spendieren wir an gemeinnützige Organisationen, die sich für benachteiligte Migranten einsetzen.

Was sind eure Hoffnungen? Wie sind eure Pläne für die Zukunft?

Wir wollen das Symbol der kulturellen Vielfalt weiter diversifizieren (Bsp. Krawatte) sowie andere Schals, die individuelle Erfolgsgeschichten erzählen und die von Vorbildern inspiriert sind, in den stationären Handel bringen und diesen Kanal ausbauen. Ein Verkauf über Amazon ist auch in Planung. Gleichzeitig wollen wir weitere Geschichten in Umlauf bringen und 2017 eine neue Kollektion vorstellen. Langfristig wollen wir auch den deutschen Markt betreten.

Zusätzlich suchen wir auch nach einer dritten Mitgründerin, die unsere Vision teilt und die im Unternehmen mitwirken will.

Wer Younited Cultures bei ihrer Mission unterstützen möchte, der kann sich bei ihrer Crowd-Funding-Kampagne ein eigenes Paar funky Socken sichern.

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