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Wenn das Sommerloch bei VIENNARAMA ankommt, dann heißt es „Wort am Sonntag“ über Klopapier. Oder wollen Marlene und Hannah nur das Sommerloch vorschieben, um über das wirklich Eingemachte im Leben zu sprechen? Denkt drüber nach! 

Marlene: PRO – Marlene und Klopapier – eine Bindung für’s LebenMarlene Klopapier

Die einen sagen Sommerloch, ich sage: Endlich. Endlich sind wir bei den essentiellen, den wirklich wichtigen, grundlegenden, den auf der untersten Stufe der Maslowschen Bedürfnispyramide angesiedelten Notwendigkeiten angelangt. Klopapier. Toilettenpapier, Heislpapier.
Ob trocken oder feucht, jeder braucht es, jeder benutzt es. Und genau das, finde ich, macht seine ungebrochene Sympathie aus. Gut, mag sein, die einen setzen auf das 12-lagige und legen dann 24 Blätter in 6 Faltschritten übereinander, während andere das aus Zeitungspapier recyclete Blatt Transparentschleifpapier 2 Mal bedacht in der Mitte zusammenlegen, um den gewünschten Streicherfolg zu erzielen. Doch wenn mir auf der Straße jemand mit diesem leicht unangenehmitätsberührten „Ich trage ein 10-Pack unter meinem Arm“-Blick entgegenkommt, denk‘ ich mir: Gut, dass wir in einem doch alle gleich sind: Wir brauchen alle Klopapier.

Und wie vielseitig einsetzbar es nicht ist! Erst kürzlich, als meine Daumenkuppe dank Brotschneidemaschinensägeblattbegegnung beinahe zu Fleischscherzerl auf einzufrierendem Brot verkommen wäre, und ich, die Küchenrolle für unnötigen, snobbischen Firlefanz, geradezu überzüchtetes, mutiertes Klopapier hält, dementsprechend ebendieses nicht zuhause hatte, war ich froh, dass das Klopapier treu an meiner (rechten, vom Toilettensitz aus gesehenen Klowand-)seite war. Nicht, dass ich nicht Handtücher en masse zur Hand hätte, aber ich kann noch so panisch in naher Zukunft absterbende Extremitäten meinerseits vor meinem inneren Auge betrachten: Die effiziente, leistungs-aufwand-optimierte Marlene ist immer da. Und dann muss ich daran denken, wie ich dies blutdurchsoffene Handtuch zuerst kalt und dann gesondert auf 60°C waschen müsste und trotzdem Blutspuren zurückbleiben würden, für die auch Dr. Beckmann nichts mehr tun könnte und ich mich letztlich ob unnötig verbrachter Haushaltsarbeitszeit ärgern müsste. Nein. Mein Klopapier is ned deppat. Und es ist immer für mich da. Bis ich es, so will es die Industrie, ordnungsgemäß in die Freiheit (in dem Fall auch Kläranlage genannt) spüle.
Es dient aber ebenso gut als Taschentuch (besonders praktisch, wenn man gerade eben dem Ruf der Natur Folge leistet und auch die Nase zu rinnen beginnt), als Abschminktuch und als Erste Hilfe bei Bierflaschenstürzen. Filigrane Kleinteile sind im Klopapier gut gebettet aufgehoben und nicht zu vergessen, hätte es keinen letzten Schultag, keine „Ich möcht‘ gern, aber nicht so richtig“-Randalen und billige Mumien ohne das weicheste aller Papiere gegeben.

Und zu guter Letzt: Wie, meine Freunde, frage ich euch, würden wir das Eis zwischen Menschen brechen, wenn nicht mit einer beherzten Abstimmungsdiskussion über die Gepflogenheit der Rolleneinpflegung: Mit Blattlauf oben über oder von hinten unten?
Keine Frage natürlich. Oben über. Aber red‘ ma einfach mal drüber.

Hannah: CONTRA – über Klopapier und das Erwachsenenleben

hannah klopapierDas heutige Wort am Sonntag bedarf möglicherweise einer Erklärung. Nicht, dass das Thema dann angebrachter oder weniger intim wäre, aber ich fühle mich danach besser. Das Thema der Kolumne fand ihren Ursprung in einem freundschaftlichen Gespräch mit Marlene, das meine Unfähigkeit beschreibt, immer genügend Klopapier zuhause zu haben. Ich schaffe es einfach nicht. Wenn mir nur noch wenige Rollen entgegenlachen, denke ich nicht wie ein normaler Mensch, dass der Vorrat aufgefüllt werden muss, nein ich mache ein Kreuzzeichen, bedanke mich bei höheren Mächten, dass noch welches da ist und vergesse es in derselben Sekunde wieder. Kann nach hinten losgehen. Von den unangenehmen Situationen, die besonders bei Gästen daraus entstehen können, möchte ich an dieser Stelle nicht sprechen. Vielleicht will eine höhere Macht mir sagen, dass ich für’s alleine leben nicht gemacht bin, mir entweder einen Freund anlachen sollte oder wieder zuhause einziehen. Im Zweifelsfall tendiere ich definitiv zu zweiter Option. Werde das bei Gelegenheit besprechen.

Was mich neben meinem persönlichen Verhalten wahnsinnig macht, ist die Gesellschaft, ja richtig gehört, die Gesellschaft. Ich bin dagegen, dass sich Menschen scheinbar zu schämen scheinen, wenn sie Klopapier kaufen. Ich bin dagegen. Es reicht ja schon, dass Menschen verschämt um sich blicken, wenn sie Kondome oder Tampons kaufen, aber Klopapier? Irgendwann hört es auf. Kaum etwas, was uns Menschen so ursprünglich vereint wie, dass wir alle ein hoffentlich funktionierendes Verdauungssystem haben. Solange mich niemand über Einzelheiten dieses behelligt, darf man klopapierwerfend nach Hause gehen. Wissend zwinkere ich dann dem Kassierer zu und das stolze Funkeln in meinen Augen zeigt ihm „Ja, ich habe rechtzeitig an Nachschub gedacht.“.

Ich fühle mich immer sehr erwachsen, haushälterisch ausgeklügelt, wenn ich mit meinem 12er-Pack superfluffig weichem Klopapier nachhause spaziere.

Also wann immer jemand auf Besuch kommen möchte – ich verzichte auf Wein, Süßes oder Knabbereien. Wer mir wirklich eine Freude machen will, der bringt mir eine Klopapierrolle mit!

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