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Weihnachten steht vor der Türe. Quasi. Rechtzeitig zum ersten Adventssonntag haben wir uns in unserem „Wort am Sonntag“ mit Weihnachten und all seinen Nebenerscheinungen beschäftigt. In diesem Sinne wünschen wir euch einen schöne Adventszeit! 

Pro: Marlene Winter – ein Name, der verpflichtet 

Schnee, Last Christmas, Beleuchtungsblingbling, Punsch und Öko-Gewandstand. Wennmarlene weihnachten die 5 Elemente der Weihnachtszeit rufen, bin ich in meinem Element.
Das war nicht immer so. Doch nachdem ich in jungen Jahren meine alles einnehmende Abneigung gegen gefälliges, mädchenhaftes, picksüßes Weihnachtsschauspielgehabe mit genügend Zynismus und Abfälligkeit therapiert hatte und mein Freundeskreis mehr oder minder zu einer Mann-schaft verkam, (die ich heiß liebe), fand ich mich vor einem neu zu verhandelnden Weihnachtsmeinungsvakuum wieder. Mittels Vanillekipferl backen und Rumkugeln kugeln im Sommer, Punsch kochen im Herbst, einer mit Punschunterstützung tot gehörten Rock Christmas Doppel-CD (auf dem Cover: Weihnachtsmann auf Harley mit spärlich bekleideter Weihnachtsfrau vor einer Schneelandschaft), Weihnachtsbeleuchtung, die mir bei näherer Betrachtung Tränen in die Augen trieb, einem Last Christmas-Selfbrainwashing und intensiver Schneebeobachtung, welchen ich als Bildhirnschirmschoner vor meinem Fenster richtig lieb gewonnen habe, war klar: „Weihnachtszeit und ich. Das ist feierbar.“

Ganz gelassen lache ich seitdem den gestressten Weihnachtseinkaufslemmingen ins Gesicht, kaufe mir Bratkartoffeln beim zahnluckaden, handberußten Maronibrater, freue mich über Weihnachtsschnulzen im September und das breite Lebkuchensortiment im August. Ich zünde um 15 Uhr aus Zweckmäßigkeit Kerzen an und bleibe aus Temperaturargumenten berechtigterweise länger und öfter im Bett. Ich schmuse mentalkörperlich mit der frühen Dunkelheit und verstecke Gedanken darin, die niemand sehen sollte. Ich akzeptiere den rathäusischen Herzerlbaum von Herzen und freue mich über glänzende Kinderaugen, die gemeinsam mit zuckerwattigen Spinnenfingern aus einem kleinen, stapfenden Daunenball hervorlugen. Ich genieße es, unnötig Geld für Kleinkitsch auszugeben, die Kälte zu bezwingen und 10 verschiedene Punschsorten, die sich nur in Orangensaft-Nuancen unterscheiden, zu bewerten. Ich freue mich auf Familienfeiern, die mit Liebe, Keksen, Christbäumen und Tischdeko ausgestattet werden, dass ich zufällig etwas entdecke, das jemandem gefallen könnte und das Geräusch, wenn kindergesicherte Kunststoffchristbaumkugeln auf dem Boden trippeln. Und ich habe auch noch immer einen besonderen Platz im Herzen für Leute, die eine meist ungerichtet amüsant artikulierte Abneigung gegen Weihnachten und das glitternde Drumherum haben.
Weil Hand auf’s Herz: Nur Winter wäre ja fast zu lang-weilig. Go Christmas. All in.

Contra: Hannah – und der Winter werden in diesem Leben keine Freunde mehr

hannah winterEs ist wieder soweit. Der Winter ist da – der Wahnsinn geht los. Eines vorweg. Ich hasse den Winter und ich bin mir des radikalen Ausdrucks Hasses bewusst. Beschönigen hat hier keinen Zweck. Es ist kalt, es ist nass und es macht keinen Spaß. Während andere Weihnachtslieder summen, wenn sie den ersten Schnee sehen und sich dick einpacken, um gemeinschaftlich Punsch trinken zu gehen, lege ich mich in mein Bett und sehne den April herbei. Überfüllte Weihnachtsmärkte, Weihnachtsangebote, wohin das Auge reicht, Engel und Weihnachtsmänner (wir sind in Österreich, wenn es wenigstens das Christkind wäre), an keiner Ecke lässt einen der Winter-Weihnachtstrubel in Ruhe.

Letztes Jahr wollte ich mich mit dem Winter versöhnen. Es hat damit geendet, dass ich schwer verletzt – physisch, aber vor allem psychisch – wie ein Käfer am Rücken im Schnee gelegen bin. Einsam und alleine. Nein, der Winter und ich werden keine Freunde mehr. Nicht in diesem Leben und mit Sicherheit nicht im nächsten. Vor allem  der Weihnachtsmarkt-Wahnsinn lässt mich kalt. Mir zu teuren, zu süßen und zu alkoholhaltigen Punsch mit mir fremden, betrunkenen und unsympathischen Menschen reinzuziehen, darauf kann ich gut und gerne verzichten. Menschen, die panikartig die Einkaufshäuser stürmen, etwas nur des Kaufen wegens kaufen und dann enttäuscht sind, wenn man sich nicht adäquat freut – auch das widerstrebt mir. Lieber unterm Jahr etwas kaufen, von dem man weiß, mensch freut sich, als zu Weihnachten irgendetwas auf Zwang. Seit Jahren versuche ich auch die Familie zu überzeugen, Weihnachten eine Woche nach hinten zu verschieben. Wir könnten alle im Abverkauf einkaufen gehen, könnten den 24ten gemütlich und ohne überzogene Erwartungen verbringen und alle wären glücklich. Wobei ich mit meiner Familie Gott sei Dank gesegnet bin und mich am Weihnachtsabend selten beklagen kann. Während ich meine weihnachtliche Hassrede schreibe, tanzen vor meinen Augen Schneeflocken. Die ersten des Jahres. Als ob sie mich provozieren wollen. Aber ich freu mich von Herzen für alle, die den Winter und all den Schrecken, den er mit sich bringt, genießen können. Wer mich in den nächsten Monaten sehen will – ich liege unter meiner Decke, suhle mich in meiner Winterdepression und singe Weihnachtslieder – das wirklich einzig gute am Winter. Bing Crosby for life!

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