Es ist Sonntag. Wir melden uns daher artgerecht mit einem „Wort am Sonntag“ zurück. Und welches Thema würde sich beim Blick aus dem Fenster besser anbieten als der April? Besser gesagt, das Aprilwetter. Wer bei dem Wetterfest ein Magengeschwür bekommt und bei wem es schöne Kindheitserinnerungen weckt, lest ihr heute. 

Marlene: PRO – vom Wettergott und klodeckelgroßen Sonnenbrillen!

Wie oft habe ich mir als Kind gewünscht, dass die Jahreszeiten sich innerhalb eines 10452866_557862551025010_4691270021272242277_oMonats und nicht eines ganzen Jahres abspielen würden. Denn, wenn wir uns ehrlich sind: Der Winter ist zu lange kalt, der Sommer ist zu lange heiß und im Frühling und Herbst ist man irgendwie auch immer einer zu langen Zeitspanne der frohen oder ängstlichen Erwartung ausgesetzt.
Die Lösung: April, der Monatsscherz des Wettergottes.

Normalerweise bin ich ja nicht der Typ von Mensch, der bei Überraschungen in enthusiastisches Quieken verfällt oder den ein positiver Adrenalinrausch erfasst, wenn Unerwartetes auf einen einprasselt. Doch wenn ich während der Arbeit aus dem Fenster sehe und es einmal weiße Flauschflocken vom Himmel wirft, dann wieder Sonnenschein über meine Tastatur fließt und zwischendurch der Hagel seine Aggression an meinen Fenstern auslässt, dann freu ich mich wie der Osterhas‘!

Generell mag ich die Abwechslung und bin daher genau wie beim systematischen Querbestellen durch die Getränkekarte auch für Wetterumschwünge bestens gerüstet. Den Wintermantel und die ausrangierten Boots (that are made for walking) lege ich – anders als die unvorsichtigere Spezies der Kleinstsonnenanbeter, die bei den ersten Sonnenstrahlen Ballerinas, Poncho und klodeckelgroße Sonnenbrillen anlegen – erst Anfang Mai beiseite und auch nur wenn bereits klar ist, dass ein Kreislaufkollaps durch Überhitzung wahrscheinlicher ist als der gefühlte Nachdreh der Titanikszene im offenen Eismeer.

Und auch heute erinnere ich mich noch gerne an verschiedene Ostersuchen aus meiner Kindheit zurück, die sowohl mit Sonne als auch mit Schnee durchzogen waren. Eines war allerdings immer klar: Ich hatte einen Wintermantel an. (An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei meiner Mutter bedanken, die jahrelang meine praktischen Outfits zusammenstellte, sodass ich möglichst lange gesundes und stylebewusstloses Kind sein konnte.)
Mit altbewährten Traditionen soll man nicht brechen und so habe ich Ostern 2015 zwar keinen türkis-grünen Polyesterpelzmantel mehr an (seinerzeit auch liebevoll „der Hustinettenbär“ genannt), sondern einen schlichten, schwarzen Daunenmantel, aber diesen dafür so lange bis ich direkt in die (mehr Accessoire- denn) Lederjacke schlüpfen kann. Natürlich mit Rollkragenpullover drunter. Und Longsleeve. Und Wollschal. Haube muss auch noch sein. Aber die Handschuhe lass ich dann schon weg und geh einmal auf Risiko, ich verschmitzter Fuchs ich.

Hannah: CONTRA – von Adventkalender und Frühlingsoutfits!

hannahAprilwetter. Da werd ich schon beim Schreiben angefressen. Aprilwetter ist wie ein Adventkalender voller Überraschungen, den man nie haben wollte. Nie. Mit Bauchschmerzen geht man schlafen und bangt. Was wird es morgen: Regen? Schnee? Sonnenschein? Jeder Tag hält eine Überraschung parat. Ich mag keine Überraschungen. Außer sie haben etwas mit Babyottern oder Schokolade zu tun. Haben sie in 99% aller Fälle aber nicht. So auch im April.

Liebe Frau Holle! Wenn es dich gibt, möchte ich dir hiermit etwas sagen: Ich mag dich nicht. Nach langen dunklen Stunden lechzt der Körper nach ein paar Sonnenstrahlen. Seit November werden Frühlingsoutfits geplant und bei den ersten warmen Tagen ausgeführt. Doch das ist dir herzlich egal. Ein bisschen Regen, ein bisschen Hagel. Das ist nicht in Ordnung. Macht dir das Spaß? Zu sehen, wie Menschen in feinsten Frühlingsoutfits von Hagel attackiert werden? Man könnte das gelassen sehen und sich denken „Geht vorbei.“ Man kann es aber auch nicht gelassen sehen und jeden regnerischen Tag verfluchen, an dem man in seiner Frühlingsjacke friert und sich eine dicke Haube wünscht. Habe mich für Zweiteres entschieden. Bin ja gebürtige Wienerin, liegt also in meinen Genen. Nicht die nervenschonendste Variante, aber die emotionalste.

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die lachend sagen: „Ja, ja, der April macht wirklich was er will! Hahaha!“ – Nix „Hahahaha“. Ich habe diesen Frühling verdient. Und ich habe es verdient, nicht spontan sein zu müssen. Ich habe klare Fronten verdient. Wir alle haben das: entweder heiß oder kalt. Oder Frühling und Herbst eben. Harmonische Übergänge. Ist denn das zu viel verlangt? Aber ich habe wirklich keine Lust in einer Woche alle Jahreszeiten zu erleben. Warum auch? Es ist unnatürlich. Ich und mein immunsystemschwacher Körper sind dagegen. Werde jetzt also die einzig richtige Lösung dieses Problems angehen. Ich werde mich jetzt in Embryonalstellung ins Bett legen, die Decke über den Kopf ziehen und warten bis der April vorbei ist. Und freue mich auf Sandalen, Kleider und Sonnenbrillen. Ich verspreche, bis November werde ich dann nicht mehr über das Wetter sudern. Ich schwöre es.

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