Anne Eck. Diesen Namen sollte man sich merken. Hatte sie noch vor ein paar Jahren mit dem Gedanken gespielt für VIENNARAMA tätig zu werden, schlägt ihr Herz nun nur noch für die Musik. Das Ergebnis: eine EP, die in den Startlöchern steht. Was sie nervös macht und wieso sie lieber auf englisch singt, hat sie VIENNARAMA-Gründerin Hannah im Interview verraten. 

 

Ich habe mich bei der Vorbereitung auf das Interview gefragt, wann wir uns das letzte Mal gesehen haben. Das war bei einem Gespräch, in dem es darum ging, ob du bei VIENNARAMA zu schreiben beginnen möchtest. Du hast damals schon betont, dass deine Hauptpassion die Musik ist. Das hast du seit damals scheinbar erfolgreich durchgezogen. Was ist seit unserem letzten Treffen passiert?

Ich hab die Musik wieder in mein Leben geholt, als ich begonnen habe für Kurzfilme Filmmusik zu schreiben. Das hat mir die Motivation gegeben – eigene Musik schreiben zu können. Das habe ich dann eine Zeit lang gemacht. Dazu kam dann die Idee mit einer Freundin gemeinsam, die etwas mit Schauspiel machen wollte, ein musikalisches Kabarett zu machen. Das war das Kabarett „Eck und Spreck“ und dafür hab ich begonnen eigene Musikstücke zu schreiben. Wir sind damals voll ins Blaue rein – wir haben einfach gesagt „Mach ma“ .

Wir hatten ein paar lustige Auftritte und wir wollten das dann auch weiter ausbauen. Die Isa hat damals aber dann gesagt, sie geht nach London, um sich auf’s Schauspiel zu konzentrieren und ich wollte tiefer in die Musik eintauchen. Daraufhin habe ich meinen ersten Song geschrieben. Das war vor fast zwei Jahren. Da hab ich mir gesagt „Ich mach es jetzt einfach mal!“, hab etwas geschrieben, hab es wieder zerrissen, hab wieder etwas geschrieben und dann hab ich es wieder liegen lassen. Stück für Stück war ein Song fertig, dann der zweite und jetzt sind es elf Songs.

 

Wie ist der Prozess des Schreibens bei dir? Ist es ein langwieriger Prozess oder küsst dich die Muse und du schreibst es runter?

Ich wünsche mir manchmal, dass mich die Muse so einfach küsst und es sich ganz leicht runterschreiben lässt. Es ist genauso eine Arbeit wie jede andere. Es ist ja sowas wie eine Produktionsarbeit. Mein Zugang dazu ist, dass ich mich ans Klavier setze und anfange, eine Melodie oder Akkorde zu spielen. Dann fange ich an irgendwas zu singen, meistens bleibt da immer ein Satz oder eine Melodie hängen, die ich dann aufschreibe und dazu singe – so baut sich die Nummer auf. Ich fange meistens damit an auf englisch zu singen. Und dann steht auch schon das Grundgerüst – die Grundakkorde und die Melodie. Danach geht es noch darum, was ich mit dem Lied genau aussagen möchte und worum es mir geht. Aber das kommt meistens ganz von selbst – es bleibt immer ein Wort hängen und daraus wird dann der Refrain. Oft heißen die Lieder genau so wie dieses Schlagwort, das hängen geblieben ist.

 

Du singst sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch – wovon hängt es ab, auf welcher Sprache du ein Lied schreibst?

Die lieder auf der EP, die ich jetzt rausbringe, werden nur englisch sein. Die EP soll einen Einblick in meine Musik und meine Person geben und da steht englisch nun mal im Vordergrund. Bei meinen zwei deutschen Nummern „Stück Papier“ und „Hommage an den Zweifel“, kam mir einfach sofort der Text auf deutsch. Ich spiele gerne mit Metaphern und das ist im englischen ein bisschen schwierig, weil es schlicht und einfach nicht meine Muttersprache ist. Es war sicher auch ein Versuch, wie es für mich ist, auf deutsch zu singen und zu schreiben.

Deine Lieder sind sehr persönlich. Ich stell es mir unglaublich fordernd vor, sich vor Publikum seelisch quasi nackig zu machen? War das je ein Problem für dich?

Ich habe mich früher immer gewundert, wenn ich Interviews mit Musikern gelesen habe und die gesagt haben, dass alles immer so persönlich ist. Es ist halt ein Lied – aber jetzt, wo ich selbst die Erfahrung mache, merke ich erst: es ist ein unglaublich persönlicher Prozess. Es sind keine Geschichten, die von jemand anderem erzählen. Sie handeln 1:1 von mir und meinen Ängsten, Gedanken,Erfahrungen und von meiner Freude. Ich erfinde kein Wort dazu — es ist wie ein Seelenstriptease. Ich habe nie geglaubt, dass es so persönlich werden kann. Natürlich wünscht man sich, dass man von der Gesellschaft als locker und cool wahrgenommen wird, aber irgendwann musst du aufmachen, damit es authentisch bleibt, sonst bleibt es ungreifbar. Das will ich nicht. Dass dich die Texte, die auf deutsch sind, mehr treffen, liegt natürlich an der Unmittelbarkeit der Sprache – du musst sie dir nicht mehr im Kopf übersetzen.

 

Ein häufiges Thema in deinen Texten ist Vorankommen, sich Ängsten stellen, offen sein, Neustart – wieso ist das so ein zentrales Thema in deiner Musik?

Da hast du aber gut zugehört (lacht). Ich habe im letztem Jahr eine sehr intensive Zeit gehabt, was die persönliche und innere Entwicklung betrifft. Irgendwann kommst du an einen Punkt, an dem du eigene Muster erkennst und dann hast du zwei Möglichkeiten. Du hast die Möglichkeit da wieder zuzumachen, aus Angst und Schmerz, oder du machst auf und stellst dich dem. Face it und dann durchgehen. Das meine ich mit aufmachen: sich zu entscheiden zu wachsen, zu entwickeln und zu verändern. Und um das zu können, muss man einfach Muster und gewohnte Wege verlassen.

 

Wenn ein Song für dein Empfinden fertig ist, wer darf ihn zuerst hören und wie gehst du mit Feedback aus deinem Umfeld um?

Ich bin ein kleiner Kontrollfreak. Also wenn eine Nummer fertig ist, dass da jemand noch was verändern kann, ist eher unwahrscheinlich. (Lacht.) Ich zeige es auf jeden Fall immer zuerst meinem Freund, Martin. Er war der Erste, der in diesen Prozess hineingekommen ist. Er hat damals auch angefangen, die ganzen Nummern für die Produktion des Demobandes zu arrangieren. Dann habe ich einen zweiten Menschen dazugeholt, nämlich Harald Fink, ein hervorragender Pianist. Sicherlich für mein Ego wollte ich die Nummern gerne alle selbst einspielen, da ich sie ja auch geschrieben und eine ganz genaue Vorstellung davon habe, wie was klingen soll. Aber er ist eben Pianist und ich hab ihn gefragt, ob er die Nummern einspielen und den Part des Pianos übernehmen kann. Und er war dabei. Der Prozess war also lange in dieser Dreier-Hand. Nun, nachdem das Demoband fertig ist, habe ich es dem Produzenten Andreas Lettner geschickt, ebenso hervorragend in seinem Metier. Er produziert zum Beispiel Lylit, oder ROBB. Und er meinte: Nice, machen wir. Wir haben uns zusammengesetzt und aus den elf Songs die fünf Stärksten ausgewählt. Diese werden nun im Rahmen der EP ausproduziert. Natürlich bleib ich dabei nicht starr in meinen Vorstellungen, sondern lasse da schon Feedback zu – eh klar! (lacht)

 

Du spielst mit Genres und schlägst leise, akustische Töne an, aber auch Elektronisches ist bei dir zu finden. Welchem Genre fühlst du dich mehr verbunden? Was darf man sich von deiner bevorstehenden EP erwarten?

Ich wünsche mir, dass wenn man den Namen Anne Eck hört, man damit einen ganz eigenen Stil verbindet. Mein Stil ist sehr minimalistisch, sehr reduziert aber doch sehr stark. Nicht zu balladenlastig, nicht zu poppig, aber schon Einflüsse vom Pop, plus ein bisschen Jazz. Meine Lieder sind sehr präsent, bleiben nicht an der Oberfläche, sind aber auch nicht irrsinnig schwer und nicht überladen an Sound. So würde ich die EP und die Nummern, die drauf sein werden beschreiben und genau diesen Stil will ich etablieren.

Das Elektronische ist ein Genre, das mich schon lange begleitet, das ich unglaublich gerne höre und bei dem ich mir vorstellen kann, dass ich auch in Zukunft selber einmal etwas produziere. Letztes Jahr habe ich mit dem Song ‚Can’t breathe’ ja gemeinsam mit dem DJ-Duo und Produzenten Pischinger & Dermota  zusammengearbeitet und für eine ihrer Nummern die Lyrics geschrieben und eingesungen. Seit diesem Frühjahr besuche ich eine DJ-Klasse und habe begonnen auflegen zu lernen. Da kann ich mich austoben. Ich lege unglaublich gerne elektronische Musik auf. Ich mag aber beides. Gerade reicht es mir aber, das Elektronische über’s Hören, Auflegen und Mischen zu machen.

 

Du startest am 19.Mai mit einer Crowd Funding-Kampagne zur Produktion deiner ersten EP – wie kam es dazu?

Der Schritt kam zwangsweise, mit der Entscheidung, dass ich bei der EP von Anfang an sehr gute Leute im Team haben wollte. Ich möchte professionelle Studiomusiker und die kosten natürlich Geld. Mir war einfach wichtig, dass der ganze Prozess sehr professionell abläuft. Ich möchte einen Produzenten haben, der ganz klar mit mir durch den Prozess geht und mit dem ich auf Augenhöhe arbeiten kann – er aber mit einer musikalischen Führung und auch Expertise an die Sache rangeht. Wir haben uns also zusammensetzt, geredet und am Ende eine große Summe berechnet. Das war der Zeitpunkt, an dem ich gesagt habe, ich mache die Crowdfunding-Kampagne, damit ich das ganze finanziell stemmen kann. Ausgeschrieben werden 9000 € und mit diesem Geld steht und fällt die ganze EP.

Wie geht’s dir damit? Wie sieht dein Nervenkostüm aus?

Ich bin sehr nervös. Die Kampagne läuft genau 30 Tage. – Es ist ein „Alles oder nichts“-Prinzip. Kriegst du 9000 € zusammen, kannst du die EP produzieren, kriegst du nur 8000 € zusammen, eben nicht. Ich habe lange überlegt, ob ich mit einem kleinen Betrag reingehe, damit ich zumindest zwei Nummern sichern kann. Aber mein Fokus liegt auf den fünf Nummern und ich bin mir sicher, ich werde das schaffen. Ich bin mir auch sicher, dass ich es schaffen werde, dass auch andere Leute mit ins Boot kommen. Ich vertraue da auf die sozialen Netzwerke, auf Freunde und Bekannte, die meinen Prozess ja auch schon über Jahre begleiten. Das ist jetzt ja nur eine Momentaufnahme. Ich mache Musik, seitdem ich sechs Jahre alt bin, also seit 23 Jahren. Aber ich bin natürlich nervös.

 

Bei Live-Auftritten sagst du – je intimer der Rahmen, desto nervöser bist du

Ich finde, je kleiner der Rahmen, umso privater und umso unmittelbarer ist es. Wenn da 200 Leute sind, kannst du irgendwo hinsehen. (lacht) Wenn ca. 20 Leute da sind und du weißt, sie sind gekommen, weil du heute singst, dadurch wird die Geschichte einfach viel unmittelbarer. Deswegen bin ich da meistens viel aufgeregter, weil es viel persönlicher ist.

 

Warst du nach den zwei Jahren schon heiß drauf, deine Lieder endlich live zu spielen?

Es ist ein komisches Ding: Du arbeitet zwei Jahre zuhause und denkst dir immer wieder „Ah, jetzt könnt ich rausgehen“, aber dann denkt man wieder, man ist noch nicht soweit. Aber es ist wichtig, dass irgendwann der Moment kommt, wo du wirklich rausgehst, gleichzeitig darf er aber auch nicht zu früh sein. Man ist immer so getrieben und ungeduldig. Als ich den ersten Song fertig hatte, wollte ich ihn sofort auf Youtube stellen, damit jeder sieht, was ich so mache.  Eigentlich ein ganz natürlicher Gedanke – du machst etwas und möchtest darauf auch eine Reaktion erhalten. Das auszuhalten, sich zwei Jahre zurückzuziehen und Songs zu schreiben, sie beiseite zu legen, aufzunehmen, ist eine Sache. Natürlich fällt einem dann auch der Moment schwer, an dem man sich entschließt rauszugehen, den Prozess zu öffnen. Dasselbe war es dann auch mit den Auftritten. Ich habe lange überlegt – typisches Kopf-Geficke – wie ich das mache, weil ich keine Band hatte und nicht gezwungenermaßen irgendwie eine Band aufstellen wollte. Da hab ich wieder über 100 Ecken gedacht. Jetzt trete ich vorerst ganz akustisch mit dem Pianisten auf. Einfach losgelassen und gesagt „Finki, hast Zeit?“ – gut und dann machen wir es einfach.

 

Stehen in naher Zukunft viele Konzerte an?

Das nächste Konzert ist am 2. Juni. Ein Wohnzimmerkonzert in einem kleinen feinen Gassenlokal im 15. Bezirk bei „Zum Glück – die Selbermacher“. Ich habe sie im Rahmen des Crowdfunding Vortrags kennengelernt und wir haben uns gleich entschlossen da sowas auf die Beine zu stellen. Und ich bin gerade dabei weitere Auftritte zu organisieren. Es geht also sehr schön voran gerade.

 

Und wie sieht die Zukunft der Anne Eck generell aus? Große Hoffnung wird wahrscheinlich in der EP stecken?

Genau, der nächste große Schritt ist die Crowdfunding-Kampagne, die ab Donnerstag, 19 Uhr laufen wird. Dann heißt es 30 Tage beobachten und in der Zwischenzeit an den fünf Songs weiterarbeiten. Ich werde das Feedback des Produzenten umsetzen und einarbeiten. Nach den 30 Tagen, wenn der Betrag steht, entscheidet sich erst, wie viele Nummern dann am Ende auf der EP drauf sein werden. Ich vertraue darauf, dass es fünf Lieder sein werden. Aber wir wissen es in 30 Tagen.

 

Unsere letzte Frage dreht sich immer um Wien. Bei dir besonders spannend, weil du ja Wahl-Wienerin bist. Was gefällt dir besonders an Wien?

Ich finde Wien klasse, es ist einfach eine unglaublich schöne Stadt. Ich wohne seit bald acht Jahren in Wien und ich hab mich im ersten Jahr erstmal wenig wohl gefühlt. Ich glaube ich bin am Anfang die typische Deutsche gewesen, die ein bisschen geschimpft hat auf die Wiener und Österreicher. Alles zu gemütlich. Aber wenn man sich erst einmal einlässt drauf – ich glaube, davon können die Deutschen genauso lernen wie die Österreicher, oder man überhaupt als Mensch – wenn man sich einlässt, kann man echt viel mitnehmen. Wien hat für mich eine Gemütlichkeit und eine gewisse „Wurscht“-Art. Wenn man das ein bisschen für sich aufnehmen kann, dann ist es viel weniger stressig. Das gefällt mir echt gut in Wien. Wien ist für mich ein kleingroßes Wohnzimmer. Es ist eigentlich eine Großstadt – jeder kennt Wien – aber die Stadt hat sich einen Charme erhalten, der nicht selbstverständlich ist.

 

Mehr Infos über die sympathische Musikerin findet ihr auf ihrer Homepage oder auf Facebook!

 

Wer sie bei der Umsetzung ihrer musikalischen Ziele unterstützen möchte, dem legen wir ans Herz, Anne Eck bei ihrer Crowdfunding-Kampagne zu supporten!

Foto-Credits: Michael Taborsky

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