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Blau. Das ist die Farbe des Himmels, der Meere, und von Facebook. Blau ist die Farbe der politischen Anzugträger, blau ist die Farbe der Royal Family, blau ist die Farbe der Arbeiter und Jeansträger. Was hat es mit diesem kalten Farbton an sich, dass jeder ihn für sich instrumentalisieren will? Dieser Frage geht die Ausstellung Blue Times nach, die Einzug in die Kunsthalle Wien gehalten hat. VIENNARAMA wurde bereits vor Eröffnungsbeginn eingeladen, ein paar Runden durch die noch ungeöffnete Ausstellung zu drehen.

Ko- und Gastkuratorin Amira Grad – eigentlich in der Londoner Serpentine Gallery beheimatet – führt uns durch das 1. Stockwerk der Kunsthalle, in dem insgesamt 30 KünstlerInnen ihre Arbeiten zur Schau stellen.

Blaue Geschichten

Die Exponate könnten unterschiedlicher nicht sein. Darunter finden sich Vasen, Stoffe, Bilder, Filme, Plastikflaschen, Steine, Figuren, Schriften und vieles mehr – alles in Blau. Obwohl die Farbe Blau im Zentrum steht, präsentiert sich die Ausstellung alles andere als monoton. Die Ausstellung gibt dem Betrachter Freiraum und ist großzügig angelegt. Hinter jedem Exponat steht auch eine Story – und die sind ziemlich interessant.

Zwei libanesische Künstler sind unter den dreißig vertreten. Walid Raad, sechs Inkjet-

Blue Times,Kunsthalle Wien 2014, Foto: Stephan Wyckoff: Sylvie Fleury,Color Lab – white neon study blue,2012, Courtesy Galerie Mehdi Chouakri, Berlin
Blue Times,Kunsthalle Wien 2014, Foto: Stephan Wyckoff: Sylvie Fleury,Color Lab – white neon study blue,2012, Courtesy Galerie Mehdi Chouakri, Berlin

Drucke in unterschiedlichen Blautönen. Was verbirgt sich hinter diesen einfärbigen Bildern? Es ist die Geschichte eines zerstörten Geschäftsviertels in Beirut, bei dessen Abtragung man blaue Dias fand. Nach einer chemischen Analyse stellte sich heraus, dass sich hinter den blauen Farbtönen Portraits befanden. Mühselig wurden die Personen auf den Fotos identifiziert. Sie alle ertranken zwischen 1975 und 1991 im blauen Mittelmeer oder ließen ihr Leben auf andere Weise.

Raed Yassin ist der zweite Künstler aus dem Libanon. Er präsentiert chinesische Porzellanvasen. Herkömmliche chinesische Porzellanvasen? Nicht wirklich, denn auf den zweiten Blick sieht man Szenen aus den Libanon-Kriegen. Es ist die Abbildung der Kriege, die Beirut in seiner Geschichte gesehen hat. Minutiös abgebildet werden hier der Hotel-Krieg (1975–1976), das Massaker von Tel al-Zaatar (1976), die israelische Invasion von Beirut (1982) und der so genannte Befreiungskrieg (1989).

Ein blauer Salon und ein kräftiger Drink

Teil der Ausstellung ist auch ein blauer Salon, der sich – etwas abgedunkelt und räumlich abgetrennt – als eine Mixtur aus Wunderkammer und Studierzimmer präsentiert und als Ort für weitere Veranstaltungen zum Ausstellungsthema dient.

Etwas für den Gaumen der Besucher bietet der neuseeländische Künstler Billy Apple. Er entwickelte den auf seinem Künstlernamen basierenden „Billy Appletini 2014“ – eine wilde Mischung aus Gin, Vermouth, und anderen ähnlichen Inhaltsstoffen – der im Rahmen von begleitenden Events auch zu verkosten wäre.

Blue Times, Kunsthalle Wien 2014, Foto: Stephan Wyckoff: Liam Gillick,Renovation Filter Lobby, 2000, Courtesy der Künstler; Walter Swennen,Super blaue Reiter, 1998, Sammlung Mu.Zee, Ostende; Michael Staniak, IMG 980; IMG 981; IMG 982; IMG 983 (Internet Blueprints), 2014, Courtesy Steve Turner Contemporary, Los Angeles; Edith Dekyndt, Something Blue, 1996–2011, Courtesy die Künstlerin; Lawrence Weiner, OUT OF THE BLUE, 1999/2014, Courtesy der Künstler; Derek Sullivan, Problems That Arise From Continually Confusing Left & Right, 2014, Courtesy der Künstler und Jessica Bradley Gallery, Toronto
Blue Times, Kunsthalle Wien 2014,

Wir sind am Ende der Führung angekommen. Jemand fragt nach der Stärke des Cocktails. Uns wird gesagt, dass es bezweifelt wird, ob jemand mehr als einen Billy Appletini verträgt. VIENNARAMA verkostet daher natürlich bei der offiziellen Eröffnung. Die Kunsthalle wurde in ein Blau getaucht, und zog Hipsters und Kunstwütige an wie das Licht die Motten. Billy Appletini fließt in Strömen und wird von den Besuchern gelobt, trotz seiner Stärke.

VIENNARAMA-Fazit: Wer also mal blau machen will, sollte sich dafür unbedingt in die Kunsthalle begeben. Denn – wie der Künstler Derek Jarman in einem dunklen Raum mit blauem Standbild flüstert – „Blue is the universal love in which man bathes – it is the terrestrial paradise.“

Fotocredits: Kunsthalle Wien, Foto: Stephan Wyckoff: Liam Gillick,Renovation Filter Lobby, 2000, Courtesy der Künstler; Walter Swennen,Super blaue Reiter, 1998, Sammlung Mu.Zee, Ostende; Michael Staniak, IMG 980; IMG 981; IMG 982; IMG 983 (Internet Blueprints), 2014, Courtesy Steve Turner Contemporary, Los Angeles; Edith Dekyndt, Something Blue, 1996–2011, Courtesy die Künstlerin; Lawrence Weiner, OUT OF THE BLUE, 1999/2014, Courtesy der Künstler; Derek Sullivan, Problems That Arise From Continually Confusing Left & Right, 2014, Courtesy der Künstler und Jessica Bradley Gallery, Toronto

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