Mit_Wau_wau_in_der_Stadt_Die_Stadthunde

Was wären wir Stadtmenschen ohne unsere Hunde? Ein bisschen weniger fröhlich auf jeden Fall. Das sehen Alex und Jolly auch so und haben es sich zur Aufgabe gemacht, Hunde und ihre Herrln und Frauerln zu portraitieren. VIENNARAMA hat die beiden Macherinnen zum Gespräch gebeten. Wie ihnen die Idee zum Projekt gekommen ist und warum man Hunde einfach lieben muss, erfahrt ihr bei uns. 

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, „Die Stadthunde“ ins Leben zu rufen?
Alex:
Das war eine typische Mitternachtsidee. In einer schlaflosen Nacht ist mir der Name „Die Stadthunde“ gekommen und nach kurzer Recherche hab ich dann gleich die Domain gekauft, ohne zu wissen, was ich damit eigentlich vorhabe. Der Schreck über die eigene Unschlüssigkeit kam dann prompt, blieb aber nicht lange. Denn: Die Stadthunde, das sind Mensch-Hund-Gespanne, die gemeinsam den Alltag in der Stadt erleben. Genauso wie ich mit meinen beiden Hunden, Justice und Fipsi – die letztendlich auch als Hauptinspirationsquelle anzusehen sind. Denn beide sind sehr anspruchsvolle und charakterstarke Hunde, deren Training für einen stressfreien Stadtalltag viel Zeit in Anspruch nimmt, aber auch genauso viel Freude bereitet. Ich mache mir hier viele Gedanken, wie ich sie am besten fördern und auslasten kann.

Mitten in der Nacht hab ich dann noch Jolly mit Nachrichten bombardiert und auch das Logo, Corporate Design & die Website gestaltet. Ein paar Tage später haben wir uns zusammengesetzt und das ganze Konzept weiterentwickelt – und voila, hier stehen wir nun mit unserem Projekt, das uns wirklich am Herzen liegt. Weil es Geschichten erzählt, weil es uns ausmacht und wir glauben, dass sich viele Hundefreunde in der Stadt damit identifizieren können.

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Wie habt ihr beiden euch kennengelernt?
Jolly: Das Schicksal hat uns unerwartet zusammengeführt. Wir haben beide zu der Zeit für dieselbe Person gearbeitet, die uns leider beruflich sehr ausgenutzt hat. Ich hatte dort meine Visitenkarten in Auftrag gegeben und Alex wurde die Aufgabe übertragen – Gott sei Dank.

Ihr Design für mich war atemberaubend und ich liebte es auf Anhieb – anders als die Tatsache, dass ihr Chef es damals als seine Arbeit ausgab. Wir haben der Person dann damals beide den Rücken gekehrt und wurden sowas wie beste Freunde. Es war eben irgendwie die perfekte Definition von Glück im Unglück.

Was sind eure Ziele mit dem Projekt?
Alex:
Wir möchten mit den Stadthunden eine Plattform für all jene aufbauen, deren Hunde nicht nur Haustiere, sondern auch Begleiter im oft turbulenten Stadtalltag sind. Hinter jedem unserer Portraits stecken ganz individuelle Geschichten, bei denen man die unterschiedlichsten Formen des Zusammenlebens von Mensch und Hund kennenlernt – und sich außerdem den ein oder anderen Tipp holen kann.

Noch steckt unser Projekt in den Kinderschuhen, aber wir freuen uns, bereits regen Zuspruch zu erfahren. Und natürlich entwickeln wir das Projekt laufend weiter. Wir planen zum Beispiel im Laufe der Zeit durch die Stadthunde auch Aufmerksamkeit für Tierschutzorganisationen und Tierheime zu schaffen und so wichtige Spenden zu akquirieren. Zusätzlich möchten wir immer wieder zwischen den Portraits auch eigene Artikel mit Tipps zum Leben in der Stadt veröffentlichen. Unser Ziel ist es, eine Anlaufstelle rund um Hunde in der Stadt, deren Alltag, Besonderheiten und auch Schwierigkeiten zu sein.

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Was ist für euch das Besondere an Hunden? Warum sind es die Stadthunde und nicht die Stadtkatzen geworden?
Jolly: Hunde sind unglaublich sensible Wesen, die vollkommen vom Menschen abhängig sind und ihm ewige Treue schwören. Katzen hingegen sind im Grunde sehr umgebungsbezogen und auch sehr viel selbstständiger würde ich sagen. Sie akzeptieren uns eben – oder ist es vielleicht eher ein Dulden? (lacht)

Hunde hingegen schenken dir ihre bedingungslose Liebe. Sie bereichern den Alltag ungemein, allein schon durch ihr bloßes Schwanzwedeln. In der Großstadt kann das Zusammenleben aber schon mal mit ein paar Hürden verbunden sein. Deshalb ist es uns sehr wichtig, Menschen bei der Haltung ihrer Lieblinge zu unterstützen und aufzuzeigen, dass es, wenn man einige Tipps für ein harmonisches Zusammenleben beachtet, nicht nur möglich ist, einen Hund in der Stadt zu haben, sondern auch sehr bereichernd. Hunde sind außerdem viel draußen unterwegs, was wir natürlich auch toll finden bei Shootings – ich liebe es, in der Natur zu sein und das mit den Shootings zu kombinieren, das geht natürlich mit Katzen schwerer. Trotzdem sind wir natürlich Tierfreunde im Allgemeinen und finden Katzen auch ganz super.

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Auf der Homepage schreibt ihr, dass Alex und ihre Hunde ein super Gespann sind, das unter anderem voneinander lernt – was können wir Menschen von Hunden lernen?
Alex
: Jolly und ich sind beide mit Hunden groß geworden. Ich glaube, das hat uns beide sehr geprägt, denn als Kind kann man auf jeden Fall viel von Tieren lernen – sei es Verantwortungsbewusstsein oder Vertrauen zu sowie Respekt vor einem anderen Lebewesen. Meiner Meinung nach bereichern Tiere das Leben im Allgemeinen und das Aufwachsen von Kindern im Speziellen.

In den letzten Jahren habe ich viel von Justice und Fipsi lernen dürfen. Besonders in der Stadt erinnern sie mich daran, auch einmal abzuschalten und rauszukommen. Was ich persönlich auch von meinen Hunde gelernt habe, ist, auf meinen eignen Gefühlszustand zu achten, da die beiden sehr feinfühlig sind und sofort auf Stimmungen reagieren. Insofern sind meine Hunde auch meine Ruhepole.

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Was sind die Herausforderungen, wenn man Photoshoots mit Tieren macht? Dauert es länger, die tollen Fotos zu machen, die man auf eurer Homepage sieht?
Jolly: Natürlich ist es nicht immer einfach mit so kleinen Energiebündeln zu shooten und sie schön in Szene zu setzen. Allerdings ist die Inszenierung ja auch nicht wirklich unser Ziel – wir lieben Natürlichkeit und das geht mit Tieren auf jeden Fall leichter, als mit den meisten Menschen (zwinkert). Denn Tieren ist es ohnehin egal, wie sie gerade dreinschauen. Sie verstellen sich nicht, haben einfach Spaß und sind ganz sie selbst – sei es nun ein aufgeweckter Clown oder ein gemütlicher Kuschelbär.

Tiere schaffen es auch oft, ihre Besitzer einfach von der Kamera abzulenken und mit ihnen herzlich zu spielen. So entstehen dann sehr emotionale und herrlich authentische Fotos. Von der Zeit her macht es allerdings nicht viel Unterschied, ob es mit oder ohne Tier ist, da ich generell einfach sehr schnell arbeite und so die Shootingzeit immer recht kurz ist.

Wie kommt ihr zu euren Interviewpartnern?
Alex:
Bis jetzt haben wir einfach Mensch-Hund-Gespanne angeschrieben und gefragt, ob sie Lust hätten, bei unserem Projekt mitzumachen. Noch in der Planungsphase haben wir uns erste Gedanken gemacht, wer da in Frage kommen würde – da war Instagram als Plattform eigentlich sehr nützlich. Aber wir haben auch einige Bewerbungen durch die Website bekommen und sind laufend am Planen und Organisieren der Shootings. Das freut uns natürlich sehr, denn es bestätigt uns in unserer Arbeit und macht uns außerdem viel Freude.

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Können sich die Leute auch direkt an euch wenden und sich quasi „bewerben“, um bei euch vorgestellt zu werden? Wie wählt ihr aus, wen ihr schließlich vorstellt?
Jolly: Ja! Wir haben auf unserer Website einen Button, mit dem man schnell zum Bewerbungsformular kommt. Aber auch eine E-Mail an portrait@diestadthunde.at ist gerne willkommen. Wir benötigen zur Auswahl jedenfalls ein Foto der Person mit ihrem Liebling und ihre Lebensgeschichte in ein paar kurzen Zeilen. So können wir recht schnell herausfiltern, wer eine besonders emotionale Bindung zu seinem Hund hat und wirklich feiert, was wir machen, oder wer einfach nur schöne Fotos für den Kaminsims will. (lacht)

Euer Lebens- und Schaffensbereich ist in Wien? Wieso Wien? Was macht für euch die Stadt zu etwas Besonderem?
Alex:
Wien ist eine wundervolle Stadt und sehr inspirierend. Sie ist so vielfältig und überall, wo man hinschaut, findet man Geschichten – sei es nun historisch oder ganz aktuell. Besonders aber in der Architektur, denn die ist etwas, das ich an Wien ganz besonders liebe – ich war noch in keiner Stadt, in der mich die Architektur der Häuser so begeistert hat. Am liebsten spaziere ich mit Justice und Fipsi durch die Straßen und verliebe mich immer wieder neu in meine Heimat.

Genau das ist außerdem ein Punkt, der Wien für mich zum idealen Lebensmittelpunkt macht: Die Tatsache, dass man zwar in einer Großstadt lebt, aber dennoch mit seinen Vierbeinern sowohl durch die Straßen und Gassen spazieren kann als auch ganz schnell ins Grüne gelangt. Die Melange verschiedenster Aspekte, wie es in Wien so schön heißt, ist eben auch im Alltag in vielfältiger Weise spürbar.

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Ist Wien aus eurer Sicht hundefreundlich?
Jolly: Auf jeden Fall! Es gibt unglaublich viele Möglichkeiten und Angebote für Menschen mit Hunden in Wien. Wien ist außerdem eine sehr grüne Stadt mit sehr vielen schönen Hundezonen und wenn’s mal doch ein bisschen mehr Natur sein soll, dann fährt man an den Rand der Stadt und steht in den Wienerwäldern oder in den Donau-Auen. So einen Lebensstandard und so viele Möglichkeiten, seine Tage ganz individuell und abwechslungsreich zu gestalten, gibt es selten in einer Großstadt.

Es gibt natürlich Gebiete, die noch ausbaufähig sind, aber wenige Städte sind so hundefreundlich wie Wien. Mit den Stadthunden möchten wir dies aufzeigen – als Hommage an unsere schöne Stadt – aber auch Verbesserungspotenziale identifizieren und zu gegenseitiger Rücksichtnahme aufrufen. Denn letztendlich kann das Leben mit Hund in der Stadt nur funktionieren, wenn man nicht nur auf seine eigenen Bedürfnisse – beziehungsweise die seines Hundes! – hört, sondern auch aktiv dazu beiträgt, dass Wien für alle so lebenswert bleibt, wie es ist.

Mehr Geschichten gibt’s direkt bei den Stadthunden.

Fotocredits: Jolly Schwarz

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