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Eine neue Woche. Eine neue Powerfrau. Dieses Mal bei VIENNARAMA-Gründerin Hannah im Gespräch: Namensvetterin Hanna Kristall. Die Musikerin, die sich vorgenommen hat, international Fuß zu fassen, dabei aber immer Wien im Herzen trägt, hat ihr Rede und Antwort gestanden, kurz nachdem ihre Crowd-Funding-Kampagne online gegangen ist.

 

 

Wenn man deinen Lebenslauf betrachtet, scheint es, dass dir Musik in die Wiege gelegt wurde. Erzähl doch ein wenig von deinem Weg zur Musik und warum du dich für ein Leben für die Musik entschieden hast!

Die Musik ist mir auf alle Fälle in die Wiege gelegt worden. Mein Vater ist klassischer Musiker, er war Oboist, jetzt ist er Dirigent und ich sehe das als sehr großen Einfluss. Ich glaube, dass mir deswegen die Musik auch immer schon sehr nahe war. Allerdings habe ich mich schon immer sehr zu Pop-Musik hingezogen gefühlt. Ich kann mich noch sehr gut an meine ersten Kassetten erinnern. Ich konnte sie stundenlang hören und ich habe mir damals schon vorgestellt wie es ist auf der Bühne zu sein. Im Kopf existiert das Ganze also schon, seitdem ich sehr sehr jung bin. Es war in diesem Sinn keine bewusste Entscheidung, sondern hat sich einfach entwickelt. Anders gesagt: Ich habe das, wovon ich schon sehr jung geträumt habe, nie hinterfragt und bin dem Ganzen intuitiv gefolgt.

Du schreibst eigne Lieder, seitdem du 11 Jahre alt bist – kannst du dich noch an deine ersten Songs erinnern? 

Extrem gut sogar. ‚Just friends‘ ist zum Beispiel ein Song und eine Ode an meine beste Freundin Alice. ‚In paradise‘ schrieb ich, als ich Teenagerin war und ich mir der Ungerechtigkeiten des Lebens langsam bewusst wurde, ‚The girl, who looks in the mirror and tries to be what she sees‘ ist autobiografisch und mit 12 Jahren entstanden, als ich der Frage nachging, wie ich am besten nach meinen Vorstellungen handeln kann. ‚Vol en piqué, crash!‘ (Sturzflug, crash!) ist ein Song über falsche Versprechungen bzw gesellschaftlich oder politisch gesteuerte Illusionen, aber das zählt nicht mehr zu den Ersteren (lacht). 

Was hat sich in deiner Entwicklung seither getan? Woher nimmst du deine Inspirationen?

Natürlich einiges! Grundsätzlich kann ich sagen, dass ich genau dann schreibe, wenn mich etwas stark bewegt und mich ein Gefühl überwältigt. Die Gefühle sind dann meistens sehr stark und können mich ganz einnehmen … das Niederschreiben ist in dem Falle dann tatsächlich DAS Ventil – und bis ich nicht dazu komme, weil ich zum Beispiel in der Arbeit bin, hat mich dieses Gefühl quasi im Griff. Zum Glück kann ich mittlerweile sehr gut damit umgehen, das musste ich jedoch erst lernen. In der Schule war ich diejenige, die während des Unterrichts und erst recht in der Freizeit sehr viel träumte.

Was mich bewegt: das kann Zwischenmenschliches sein, politische Geschehnisse oder auch einfach tolle Menschen. Mein neuester Song zum Beispiel heißt ‚Lady Mechanic‘ und ist entstanden, als ich mir eine Dokumentation über eine Frau namens Sandra Agwebor angesehen habe. Sie lebt in Nigerien und führt eine Autowerkstatt, in der sie Frauen ausbildet, die aus verschiedensten Gründen benachteiligt sind. Ihre Initiative heißt ‚Lady Mechanic Initiative‘. Ich habe die Doku gesehen und mir einfach nur gedacht ‚WOW!!‘ –  und seither gibt es meinen Song, der hoffentlich dieselbe Kraft ausstrahlt wie die großartige Sandra Agwebor selbst.

Du betonst online, dass deine Songs reflektierte Botschaften enthalten. Was genau meinst du damit? Wieso ist es dir so wichtig Musik mit Inhalt zu produzieren? Was willst du beim Hörer mit deiner Musik auslösen? 

Für mich gehört es zum Selbstverständnis einer Sängerin, dass ich nicht nur singe um zu singen, sondern dass ich dabei etwas zu sagen habe. Inhalt ist mir deswegen so wichtig, weil sich darin meine Überzeugungen widerspiegeln. Der Inhalt bringt die Songs auf eine wichtige Ebene, in der ich mich erst sichtbar, greifbar und angreifbar mache, und daher erst interessant. Mit den reflektierten Botschaften meine ich, dass einzelne Songs, auch wenn der Titel oder manche Textzeilen banal klingen, trotzdem keine leeren Worthülsen sind. Wie zum Beispiel mein Song ‚What you gonna do‘ – im Refrain heißt es ‚What you gonna do, it depends on you‘. Klingt easy, superleicht zu verdauen. Aber wenn ich daran zurückdenke, wie viele Erfahrungen ich machen musste, bis ich endlich verstanden habe, dass es NUR von mir abhängt, was in meinem Leben sein wird, dann wundert es mich selbst. Irgendwann war es dann so weit und ich dachte nur mehr: ’So, diese Message ist Gold wert. Das ist ein Song. Punkt.’ 

Wie kann man sich den typischen Song-Prozess von Hanna Kristall vorstellen? Beziehungsweise gibt es den überhaupt? 

Nein, den gibt es nicht, aber es gibt einen Grundimpuls und der Grundimpuls ist genau das, was mich inspiriert. Und das passiert einfach. Es geht beim Songschreiben darum, diesen Grundimpuls zu bewahren, ihn nicht zu verstellen oder mit Sounds zu überdecken, bis der Song fertig ist. Das ist sehr, sehr schwierig und das Gefühl spielt hier eine wichtige Rolle. Und wenn es funktioniert, dann ist der Song authentisch und für alle so spürbar…das ist sehr schön. 

Wer darf deine Lieder zuerst hören? Familie, Freunde oder bekommst du lieber Feedback von Außenstehenden? 

Neue Songs schicke ich reflexartig zuerst an Familie und Freunde. Im zweiten Durchgang wende ich mich dann an Personen, von denen ich konstruktives Feedback erwarten kann, das ist dann ein sehr kleiner Zirkel an ebenso Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten aus der Musikbranche. Ab Durchgang 2 ist mir jedes Feedback willkommen – ich finde z. B. öffentliche Feedbackrunden, die manchmal in Wien stattfinden, unglaublich toll und ich lerne sehr viel davon. 

Wenn du jemandem, der dich nicht kennt Hanna Kristall bzw. deine Musik  in drei Sätzen beschreiben müsstest, wie würdest du das tun? 

Schwierige Frage. Pop-Musik, die unter die Haut geht, motiviert und zum Nachdenken anregt…eine Mischung aus schönen Gitarrenmelodien, elektronischen Sounds, Keyboard, dabei mal funkig und gerne rhythmisch. Die Stimme kräftig und sanft zugleich. Live sehr intensiv. 

Du hast immer schon in Bands oder mit DJs gesungen – wieso kam jetzt der Entschluss als Solo-Künstlerin durchzustarten? Worin liegt der Reiz für dich in den verschiedenen Ansätzen und Konstellationen? 

Es war mir schon immer klar, dass ich als Solokünstlerin auf der Bühne stehen möchte, aber über die verschiedenen Zusammenarbeiten konnte ich meinen Stil besser entwickeln, es war wie eine Schulung. Abgesehen davon, dass es einfach Spaß macht. :)

 

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War für dich immer klar, dass wenn du als Solo-Künstlerin mit deinem echten Namen unterwegs sein wirst? Wie kam es zu diesem Entschluss? Ich als Namensvetterin finde es natürlich super, wenn der Name Hanna(h) populär eingesetzt wird (lacht)!

Hanna rocks, und wie! (lacht). Für mich war es sogar ein wichtiger Entschluss mit meinem echten Namen auf die Bühne zu gehen. Anfänglich habe ich mich nur ‚Kristall‘ genannt. Irgendwann nahm das dann Überhand und eine Zeit lang hat mich fast niemand mehr Hanna genannt. Zugegebenermaßen, das hat seinen Reiz, aber ebenso merkte ich, dass mir mein Vorname doch sehr lieb ist und ich die Person auf der Bühne nicht so streng von der Person hinter den Kulissen trennen möchte. Zumindest nicht namentlich – ich hoffe, ich bereue das nicht eines Tages.

 Mit deinen ersten Songs bist du ja schon durchgestartet! Wie war es für dich auf deine ersten produzierten Lieder so viel positives Feedback zu bekommen?  Hast du damit gerechnet, dass die Songs so einschlagen würden und du sogar als „Bühnenstürmerin“ nominiert wirst? 

Das war großartig, ich bin nach wie vor sehr glücklich darüber! Ich habe damals einen kleinen Stein ins Wasser geworfen und hätte mir nie gedacht, dass die Wellen so ausschlagen würden. Weder die Nominierung zur Bühnenstürmerin hätte ich mir erträumt noch grundsätzlich das Interesse, das plötzlich da war. Es war eine sehr gute Erfahrung, die mich dazu motiviert hat, weiterhin mein Bestes zu geben. Es war auch ein Vorgeschmack darauf, wie schnell es gehen kann und ich weiß jetzt, dass Dinge auf mich zukommen werden, von denen ich im Moment noch nichts weiß – deswegen heißt es: gut vorbereiten!

Jetzt stehst du vor dem nächsten Schritt: dein erstes Album. Was darf der Hörer  von deinem Album erwarten?

Ein gutes Pop-Album für Jung und Alt, mit Musik, die Lust aufs Leben macht, zum Nachdenken anregt und gleichzeitig zum Tanzen motiviert. 

War für dich von Anfang an klar, dass du das Album per Crowd-Funding produzieren möchtest? Wie kam es zu dem Schritt? 

Crowdfunding war schon immer ein Thema, aber als der Entschluss feststand, dass ich in LA aufnehmen möchte, war klar, dass es nur mithilfe dessen möglich sein wird. Ab da ging es dann recht schnell. Ich bin über eine Bekannte, die ich aus der Wiener Musik-Szene kenne, auf die wemakeit- Plattform gekommen und habe mich schnell dazu entschlossen, die Kampagne darüber laufen zu lassen. Ich kann sie auch nur weiterempfehlen. 

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Die Kampagne läuft seit ein paar Tagen – wie geht es dir damit? Bist du sehr angespannt? 

Es läuft nicht gut, es läuft besser!! Innerhalb von drei Tagen hatte ich 1/3 der Gesamtsumme geschafft und daraufhin den Kunstpreis der Bank Austria erhalten, der das zweite Drittel meiner Gesamtsumme ausmacht. Das ist das Beste, was hätte passieren können und ich bin aus allen Wolken gefallen. Wir waren gerade in Madrid gelandet, als wir es erfahren haben, und ich glaube, die Madrileñas/os haben alle meinen Schrei mitbekommen. Jetzt geht es für mich in die letzte Runde. Das letzte Drittel steht an und ich werde nach wie vor alles geben.
Es ist nämlich auch sehr viel Arbeit. Als ich die Kampagne online gestellt habe, habe ich 15 Stunden am Stück E-Mails geschrieben und nach 4 Stunden Schlaf weitergemacht. Es ist hart und die Motivation muss von dir selbst kommen, denn eine andere Realität ist auch, dass nicht einmal auf die Hälfte aller E-Mails eine Antwort bekommst. Es braucht schon einen sehr langen Atem. Aber das ist ja gleichzeitig auch die Herausforderung….wer ein gemütliches Leben haben möchte, dem rate ich nicht, so ein Projekt zu starten (lacht).

Du wirst das Album im diesem Sommer in LA produzieren – wieso LA? 

Weil ich bereits mit verschiedenen Leuten zusammenarbeite, die dort leben, unter Anderem dem Schlagzeuger Stacey Lamont Sydnor, der für die Jacksons, Puff Daddy, Missy Eliott, Stevie Wonder usw. spielt. Wir haben uns vergangenes Jahr auf einem seiner Konzerte in Wien kennengelernt und zwei Wochen später hatte er für meinen Song ‚Shiver‘ bereits die Drums eingespielt. Abgesehen davon lebt auch Jonas, der meine ersten drei Songs produziert hat, mittlerweile in LA und somit zieht es mich einfach dorthin. 

Wie ist der Kontakt mit Stacey Lamont Sydnor und den anderen Musikern, mit denen du arbeiten möchtest, entstanden? Wieso willst du gerade mit ihnen produzieren? 

Wir haben Stacey vergangenes Jahr auf dem Konzert von Divinity Roxx (Ex-Bassistin von Beyonce) in Wien kennengelernt. Stacey spielt unglaublich gut Schlagzeug und als ich ihn auf der Bühne gesehen habe, dachte ich nur ‚Yesss, genau das ist es, so fühlt sich auch meine Musik an – das will ich!‘. Nach dem Konzert war Divinity beim Signing und auch Stacey ist vom Backstage-Bereich herausgekommen und hat uns mit den Worten ‚You girls, you rock!‘ angesprochen und der Rest ist der Anfang dieser Zusammenarbeit. Wir haben auch Divinity besser kennengelernt und uns seither auch alle noch einmal in Wien wiedergesehen – sie sind einfach cool, unkompliziert, dabei extrem professionell und sympathisch. Ich war erstaunt darüber, wie schnell die Antworten per E-Mail kommen, wissentlich, wie viel sie zu tun haben. Wie gesagt, sie waren auf Europa-Tour und Stacey hat sich zeitgleich auf eine andere Live-Tour vorbereitet und trotz allem hatte ich innerhalb von kürzester Zeit die Drums zu meinem Song. Ich wusste sofort, dass ich genauso arbeiten möchte. 

 

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Der Fokus liegt jetzt auf dem Album, aber wann dürfen Wiener Fans dich einmal live erleben? Du trittst am Samstag in Madrid auf, produzierst in LA – du scheinst dich geographisch mit deiner Musik nicht festlegen zu wollen – wie kommt das? 

Das liegt mir im Blut (lacht). Festlegen gibt’s nicht, ich bin auf der Welt – und auf der Bühne – zu Hause. Ich bin genau dort, wo meine Energie hinfließt.

Und in Wien ist der nächste Termin der 11. Juli im Café Carina. Und mit Glück könnt ihr uns auf einem unserer Straßengigs sehen! Das sind unsere Werbegigs, um die Kampagne und das Album zu promoten. Das Kleingeld, das wir dadurch bekommen, ist eine zusätzliche Finanzierung für die Kampagne.

Willst du in Zukunft von Wien aus Musik machen, oder hast du Ambitionen ins Ausland zu gehen? 

Das kann ich nicht genau beantworten, aber ich bin sicherlich dort, wo am meisten zurückkommt. Da bin ich ganz entspannt. Nach unserem Gig in Madrid haben wir bereits den nächsten Termin für September festgelegt und so setzen wir einen Schritt nach dem anderen.

Wie sehen generell die Pläne der Hanna Kristall für die Zukunft aus? 

Dieses Jahr soll das Album fertig werden und 2017 konzentriere ich mich auf die Verbreitung der Musik. Ich möchte auch viele Konzerte geben und dabei so viel Live-Erfahrung wie nur möglich sammeln – das ist für alle weiteren Schritte sehr wichtig. Alles andere steht noch in den Sternen. 

Zum Abschluss muss traditionell eine Wien-Frage bei VIENNARAMA gestellt werden: Deine Mama ist aus Mexiko, dein Papa aus Polen – du lebst in Wien. Wieso ist die Wahl auf Wien gefallen? Was macht Wien für dich zu etwas Besonderem? 

Wien ist Wien und Wien bietet Lebensqualität. Und egal, wo es mich letztendlich hinzieht, ich werde immer einen Fuß in Wien haben. Ich lebe schon seit einigen Jahren hier und ich habe den Eindruck, dass sich die Stadt seither sehr sympathisch entwickelt hat. Auf den Straßen ist das Leben sichtbarer und mir kommt die ganze Atmosphäre offener, moderner und dynamischer vor. Zudem ist Wien einfach eine wunderschöne Stadt und es gibt genug Orte, die mich inspirieren. Ich bin sehr gespannt darauf, was die nächsten Jahre bringen werden, aber ich habe das Gefühl, dass sich die Menschen noch mehr öffnen und die Verschiedenartigkeit von Kulturen und Menschen schätzen werden. Und darauf freue ich mich schon, denn neue Menschen bringen neues Leben und neues Leben bringt neue Musik. 

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Wer Hanna Kristall nun unterstützen möchte, der kann das unter folgendem Link tun! Wir wünschen Hanna alles Gute für die Kampagne und eine tolle Zeit in LA!

 

Mehr Infos zu Hanna Kristall findet ihr auf Facebook!

 

 

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