Meisterwerke der Architektur

Wir müssen zugeben, ganz unvoreingenommen sind wir diesmal nicht zur Albertina emporgestiegen – hat es sich doch eine Zeichnung der alten Ferdinandsbrücke von Otto Wagner schon länger in unserem Wohnzimmer gemütlich gemacht. Umso gespannter sind wir, was uns im 2. Stock erwarten wird. VIENNARAMA-Redakteurin Marlene hat sich umgesehen.

 

Zwischen Idee und Bauprojekt
Als zu Papier gebrachte Vorstellung eines Gebäudes, mit der es gilt, den Auftraggeber zu überzeugen, nimmt die Architekturzeichnung einen ganz besonderen Stellenwert ein. Ihre Daseinsberechtigung ist die einer zukunftsweisenden Referenz: sie ist Vision an der Grenze zu manifester Realität oder zu ewiger Utopie verdammt. Umso schöner, dass die Albertina die tatsächliche Zeichenkunst der Architekturgeschichte in den Fokus nimmt und uns vertrautes wie noch nie gesehenes Stadtbild vor die Nase setzt.

Max Hegele. Perspektive für den architektonischen Abschluss des Schottenrings in Wien, 1915
Max Hegele. Perspektive für den architektonischen Abschluss des Schottenrings in Wien, 1915

Alles nur in deinem Kopf?
Ohne die technologischen Möglichkeiten von heute gestaltete sich der Prozess, jemand anderem seine architektonische Idee näherzubringen als ungleich aufwendig. Erst mit Grundriss, Schnitt und Frontalansicht konnte man sich ein umfassendes Bild machen, vorausgesetzt man besaß die Kompetenzen, diese adäquat auszuwerten. Um sowohl Fachmann als auch Laien zu bedienen, gesellte sich darum im 15. Jhdt. die Perspektive hinzu, die einen möglichst realitätsnahen Eindruck ermöglichte. Mit diesem Wissen bewappnet, kann man sich den thematisch unterteilten Räumlichkeiten zuwenden.

Joseph Maria Olbrich, Asicht des Hofpavillons der Stadtbahn in Wien-Hietzing, 1896/97
Joseph Maria Olbrich, Ansicht des Hofpavillons der Stadtbahn in Wien-Hietzing, 1896/97

Eine Klasse für sich
Wieder einmal staunen wir, wie detailreich die Meister der Zeichenkunst tatsächlich zu Werke gingen. Ob Farbe, Ornamente, Licht und Schatten oder alleine die Proportionen und Perspektive von Clemens Holzmeisters Entwurf einer Kuppel mit 16 Rippen (siehe Beitragsbild) – um in der Architekturzeichnung zu bestehen, musste man sowohl Kreativität und Detailgenauigkeit als auch Wissen um Statik und Raum mitbringen. Im Gegensatz zu manchem Zweckgebäude der Gegenwart wurde die Kombination aus Individualität und Prunk gefordert und gefördert.

Josef Frank, Haus Nr. 9 aus den Dreizehn Häusern für Dagmar Grill, 1947
Josef Frank, Haus Nr. 9 aus den Dreizehn Häusern für Dagmar Grill, 1947

Türme, Brücken & Residenzen
Unterschiedlicher könnten sowohl die Ideen als auch die Formen der Darstellung nicht sein: So skizziert Hans Hollein den heutigen Eingang der Albertina auf einem 20-Schillingschein in wenigen Strichen, während Francesco Bartolomeo Rastrellis Frontalansicht eines Schlosses sich proportional zu seinem Namen über die Wand zu erstrecken scheint. Aber auch klassische Ölgemälde und Mischformen finden sich, wie jene von Francesco Borromini, bei dem der Schnitt mit Innenansicht nahtlos in die Frontalansicht übergeht, was dem Betrachter umfassenden wie ungewohnten Einblick gewährt.

Francesco Bartolomeo Rastrelli, Ansicht des Residenzschlosses von Mitau, 1738
Francesco Bartolomeo Rastrelli, Ansicht des Residenzschlosses von Mitau, 1738

VIENNARAMA-Fazit: Sowohl für Architektursympathisanten als auch für absolute Laien geeignet! Ob Ringstraßenbauten, internationale Sehenswürdigkeiten, bunte Ornamente oder Fantasievilla ohne rechte Winkel – hier ist für jeden etwas dabei, ohne dabei zu einem willkürlichen Sammelsurium zu verkommen. Eine wundervolle Ausstellung für graue Winternachmittage!

Meisterwerke der Architekturzeichnung – zu sehen bis 25. Februar 2018 in der Albertina!

Albertinaplatz 1
1010 Wien
Täglich 10:00-18:00 Uhr
Mi & Fr 10:00-21:00 Uhr

Weitere Informationen

 

Fotocredits: Marlene Winter

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